Die Katze ist aus dem Sack: CCS auch für Kraftwerke

Bis­her hat­te die Bun­des­re­gie­rung — und ins­be­son­de­re deren sich als “grün” ver­ste­hen­der Teil — betont, dass CCS für “schwer ver­meid­ba­re” indus­tri­el­le CO2-Emis­sio­nen gedacht sei. Zur Dekar­bo­ni­sie­rung der Ener­gie­ver­sor­gung gäbe es die erneu­er­ba­ren Energien.

Die Unter­zeich­nen­den des Posi­ti­ons­pa­piers “CCS: Stoppt den indus­tri­el­len Hoch­lauf!” https://energiewende-2030.de/hochlauf-ccs-jetzt-stoppen/ haben schon im Mai 2023 davor gewarnt, dies zu glau­ben. Das indus­tri­el­le CCS sei viel­mehr Ein­stiegs­tor in eine umfas­sen­de, fos­si­le Kraft­wer­ke ein­be­zie­hen­de CCS-Infrastruktur.
Als Beleg zitier­ten sie den Arti­kel der Bundesregierung“CCU/CCS: Bau­stein für eine kli­ma­neu­tra­le und wett­be­werbs­fä­hi­ge Indus­trie“https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/weitere-entwicklung-ccs-technologien.html, wonachCCS„vor allem“ bei Indus­trie und Abfall­wirt­schaft ein­ge­setzt wer­den soll, wäh­rend im Ener­gie­sek­tor die erneu­er­ba­ren Ener­gien „prio­ri­tär“ sei­en – For­mu­lie­run­gen, die den CCS-Ein­satz bei der Ener­gie­be­reit­stel­lung also kei­nes­wegs aus­schlie­ßen. In wei­te­ren Stel­lung­nah­men wur­de auf die schon lan­ge exis­tie­ren­den Pla­nun­gen der EU für den umfas­sen­den CCS-Ein­satz hin­ge­wie­sen und auf den wirt­schaft­li­chen Hin­ter­grund, dass eine “klei­ne” CCS-Infra­struk­tur sich nie­mals rech­net, so dass die Hoch­ska­lie­rung exis­tenz­not­wen­dig für CCS ist. Im pv-maga­zi­ne (Mai 2023) https://www.pv-magazine.de/2023/05/24/industrie-ccs-ist-nur-der-einstieg/ schrieb ich: „Falls es zu einem CCS-Ein­satz kom­men wür­de, wäre die Hoch­ska­lie­rung über die indus­tri­el­len Emis­sio­nen hin­aus auch nötig. Da die Tech­nik sehr teu­er ist, wäre eine dau­er­haf­te Beschrän­kung auf den indus­tri­el­len Bereich unwirt­schaft­lich. Auf der EU-Ebe­ne wird dies in aller Selbst­ver­ständ­lich­keit erör­tert. Bis 2030 soll eine Ver­pres­sung von jähr­lich 50 Mil­lio­nen Ton­nen CO2 erreicht wer­den. Hier­mit kön­ne sich die Indus­trie dekar­bo­ni­sie­ren. Gleich­zei­tig wür­de man dabei Erfah­run­gen sam­meln, um bis 2050 eine Stei­ge­rung auf jähr­lich 550 Mil­lio­nen Ton­nen mit gerin­gem Risi­ko zu errei­chen, wor­in dann die Ener­gie­wirt­schaft ein­be­zo­gen wäre, wie es in dem ent­spre­chen­den Vor­schlag des EU-Par­la­ments und Rats zum „Net Zero Indus­try Act“ https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A52023PC0161 (März 2023 , Punkt 14) heißt.

In ihrer Mit­tei­lung zur erfolg­ten “Eini­gung zur Kraft­werks­stra­te­gie” https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2024/02/20240205-einigung-zur-kraftwerksstrategie.html hat die Bun­des­re­gie­rung (BMWK) die Kat­ze nun aus dem Sack gelas­sen: “Die CO₂-Abschei­dung und ‑spei­che­rung für Ver­stro­mungs­an­la­gen mit gas­för­mi­gen Ener­gie­trä­gern wird im Rah­men der Car­bon-Manage­ment-Stra­te­gie aufgegriffen.”

Was mei­nen und vor allem was machen nun all die­je­ni­gen, die sich dar­auf ver­las­sen haben, dass CCS auf den Sek­tor Indus­trie beschränkt wird und nun fest­stel­len müs­sen, dass sie getäuscht wur­den? Bei­spiels­wei­se die Lan­des­re­gie­rung von Sach­sen-Anhalt, die noch kürz­lich dem BUND schrieb, dass CCS auf schwer ver­meid­ba­re indus­tri­el­le Emis­sio­nen beschränkt wird? https://www.magdeburger-news.de/?c=20240112161757

Und vor allem: Was mei­nen und was machen nun die­je­ni­gen Par­tei­mit­glie­der der Grü­nen, die ihre Far­be noch nicht ver­ges­sen haben?

Der Deut­sche Natur­schutz­ring (DNR) hat die Erklä­rung „Umwelt­ver­bän­de: Eini­gung zur Kraft­werks­stra­te­gie öff­net Büch­se der Pan­do­ra durch CCS an Gas­kraft­wer­ken“ ver­brei­tet (https://www.dnr.de/presse/pressemitteilungen/umweltverbaende-einigung-zur-kraftwerksstrategie-oeffnet-buechse-der). Dar­in heißt es: „CCS im Ener­gie­sek­tor zu ermög­li­chen, war bis­her zu Recht poli­tisch aus­ge­schlos­sen, denn es … bremst die Ener­gie­wen­de aus. Wenn wir jetzt in CCS-Anla­gen inves­tie­ren, wer­den die­se über Jahr­zehn­te genutzt“.

Wie ver­trägt sich damit die Ankün­di­gung der Bun­des­re­gie­rung, dass die neu zu errich­ten­den Gas­kraft­wer­ke „zwi­schen 2035 und 2040 voll­stän­dig auf Was­ser­stoff“ umge­stellt wer­den sol­len? Unter­stel­len wir ein­mal, dass die CCS-Infra­struk­tur unwahr­schein­lich schnell auf­ge­baut wird und bis 2030 steht. Dann wird sie 5 oder bes­ten­falls 10 Jah­re lang betrie­ben , um danach wie­der abge­baut zu wer­den, da beim Ein­satz von Was­ser­stoff ja kein CO2 mehr anfällt?

Die Ver­wir­rung ist erheb­lich. Klar ist nur eines: Bei der gan­zen Stra­te­gie geht es dar­um, den Aus­bau der Lang­zeit­spei­che­rung, wie er in einer Struk­tur aus 100 Pro­zent erneu­er­ba­ren Ener­gien benö­tigt wür­de, zu ver­mei­den. Andern­falls hät­ten die fos­si­len Ener­gien näm­lich end­gül­tig aus­ge­dient, und dazu darf es nicht kom­men – um alles in der Welt!

#Kraft­werks­stra­te­gie #CCS #Indus­trie-CCS