Dunkelflauten überbrücken: Warum wir jetzt ein Marktanreizprogramm für Langzeitspeicher brauchen
Deutschland steht vor einer historischen Weichenstellung: Wie sichern wir unsere Stromversorgung, wenn Wind und Sonne über Tage oder sogar Wochen ausbleiben? Ein breites Bündnis von Energieexperten schlägt ein kluges Marktanreizprogramm für Langzeitspeicher vor – doch ohne politischen Willen und öffentlichen Druck wird es nicht gelingen. Warum dieser Plan alternativlos ist und wie Sie ihn unterstützen können.

Die Energiewende ist in eine kritische Phase eingetreten. Während der Ausbau von Wind- und Solarkraftwerken voranschreitet, fehlt eine entscheidende Komponente: Langzeitspeicher, die Dunkelflauten von bis zu drei Wochen überbrücken können. Doch der Markt allein wird dieses Problem nicht lösen – zu unattraktiv sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Investoren. Ein breites Bündnis von Energieexperten um Eberhard Waffenschmidt, Rainer Doemen und Aribert Peters legt nun einen detaillierten Vorschlag für ein Marktanreizprogramm für Langzeitspeicher vor. Ihr Plan ist pragmatisch, technologieoffen und könnte den Durchbruch für eine vollständig erneuerbare Stromversorgung bedeuten. Doch er braucht jetzt Unterstützung – von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Warum der Markt versagt
Kurzzeitspeicher wie Batterien boomen, weil sie durch häufige Ladezyklen wirtschaftlich sind. Langzeitspeicher hingegen werden nur selten abgerufen – ihre Investitionskosten pro Megawattstunde müssten daher um ein Vielfaches niedriger sein, um rentabel zu sein. Doch genau hier fehlen die Anreize. Zudem scheuen Kreditgeber das Risiko, in Technologien zu investieren, die nur alle paar Jahre zum Einsatz kommen. Ohne gezielte Förderung wird es keine Markteinführung geben – und damit auch keine Kostensenkung durch Skaleneffekte.
Der Plan: Ein Markt mit klaren Regeln
Das vorgeschlagene Programm setzt auf zwei Säulen:
- Bereitstellungspreis: Eine Vergütung für die reine Verfügbarkeit von Speicherkapazität, die Investitionen absichert.
- Arbeitspreis: Eine zusätzliche Vergütung für tatsächlich gelieferte Energie, die Anreize schafft, im Ernstfall lieferbereit zu sein.
Die Aktivierung der Speicherreserve erfolgt automatisch, sobald der Börsenstrompreis eine festgelegte Schwelle überschreitet – ein transparentes, marktgetriebenes Signal.
Besonders clever: Die Speicher dürfen auch am Tagesgeschäft teilnehmen, um ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Nur im Ernstfall müssen sie ihre volle Leistung für die Dunkelflaute reservieren.
Klimaneutralität und Technologieoffenheit
Ein zentraler Punkt des Vorschlags ist die klimaneutrale Ausrichtung. Nur Speicher, die nachweislich mit erneuerbaren Energien betrieben werden, kommen infrage. Das schließt Batterien, Biogas oder grünen Wasserstoff ein – und fördert gezielt Technologien, die mindestens drei Tage kontinuierlich Strom liefern können. Kurzzeitspeicher haben hier keine Chance, was die Entwicklung echter Langzeitlösungen beschleunigt.
Warum wir jetzt handeln müssen
Die Experten schlagen jährliche Auktionen vor, bei denen die Bereitstellungspreise für bis zu 15 Jahre festgelegt werden. Das gibt Investoren Planungssicherheit und ermöglicht einen schrittweisen Ausbau der Speicherkapazitäten. Doch der Plan steht und fällt mit der politischen Umsetzung. Die ersten Ausschreibungen sollen klein beginnen, um Erfahrungen zu sammeln – doch ohne öffentlichen Druck wird die Politik zögern.
Ihre Stimme zählt
Dieser Vorschlag ist eine Chance, die Energiewende endlich zu vollenden. Doch er braucht breite Unterstützung – von Kommunen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern. Unterstützen Sie den Aufruf zur Einführung eines Marktanreizprogramms für Langzeitspeicher! Mit Ihrer Unterschrift fordern Sie die Politik auf, jetzt die Weichen für eine sichere, erneuerbare Stromversorgung zu stellen.
Also: Mitzeichnen und teilen!
Wählen Sie zunächst, ob Sie als Privatperson mitzeichnen wollen oder für eine Organisation (Unternehmen, Verein, Verband, …):
Quellen:
- Runder Tisch Erneuerbare Energien: Positionspapier „Marktanreizprogramm für Langzeitspeicher“ [ PDF 120 kB ]
- Hintergrund: Studie: Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Bundesländer im Transformationsprozess [ PDF 8,71 MB ], insbesondere Kapitel “4.6 Flexibilitäten”
