Dunkelflauten überbrücken: Warum wir jetzt ein Marktanreizprogramm für Langzeitspeicher brauchen

Deutschland steht vor einer historischen Weichenstellung: Wie sichern wir unsere Stromversorgung, wenn Wind und Sonne über Tage oder sogar Wochen ausbleiben? Ein breites Bündnis von Energieexperten schlägt ein kluges Marktanreizprogramm für Langzeitspeicher vor – doch ohne politischen Willen und öffentlichen Druck wird es nicht gelingen. Warum dieser Plan alternativlos ist und wie Sie ihn unterstützen können.

Die Energiewende ist in eine kritische Phase eingetreten. Während der Ausbau von Wind- und Solarkraftwerken voranschreitet, fehlt eine entscheidende Komponente: Langzeitspeicher, die Dunkelflauten von bis zu drei Wochen überbrücken können. Doch der Markt allein wird dieses Problem nicht lösen – zu unattraktiv sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Investoren. Ein breites Bündnis von Energieexperten um Eberhard Waffenschmidt, Rainer Doemen und Aribert Peters legt nun einen detaillierten Vorschlag für ein Marktanreizprogramm für Langzeitspeicher vor. Ihr Plan ist pragmatisch, technologieoffen und könnte den Durchbruch für eine vollständig erneuerbare Stromversorgung bedeuten. Doch er braucht jetzt Unterstützung – von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Warum der Markt versagt

Kurzzeitspeicher wie Batterien boomen, weil sie durch häufige Ladezyklen wirtschaftlich sind. Langzeitspeicher hingegen werden nur selten abgerufen – ihre Investitionskosten pro Megawattstunde müssten daher um ein Vielfaches niedriger sein, um rentabel zu sein. Doch genau hier fehlen die Anreize. Zudem scheuen Kreditgeber das Risiko, in Technologien zu investieren, die nur alle paar Jahre zum Einsatz kommen. Ohne gezielte Förderung wird es keine Markteinführung geben – und damit auch keine Kostensenkung durch Skaleneffekte.

Der Plan: Ein Markt mit klaren Regeln

Das vorgeschlagene Programm setzt auf zwei Säulen:

  1. Bereitstellungspreis: Eine Vergütung für die reine Verfügbarkeit von Speicherkapazität, die Investitionen absichert.
  2. Arbeitspreis: Eine zusätzliche Vergütung für tatsächlich gelieferte Energie, die Anreize schafft, im Ernstfall lieferbereit zu sein.

Die Aktivierung der Speicherreserve erfolgt automatisch, sobald der Börsenstrompreis eine festgelegte Schwelle überschreitet – ein transparentes, marktgetriebenes Signal.
Besonders clever: Die Speicher dürfen auch am Tagesgeschäft teilnehmen, um ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Nur im Ernstfall müssen sie ihre volle Leistung für die Dunkelflaute reservieren.

Klimaneutralität und Technologieoffenheit

Ein zentraler Punkt des Vorschlags ist die klimaneutrale Ausrichtung. Nur Speicher, die nachweislich mit erneuerbaren Energien betrieben werden, kommen infrage. Das schließt Batterien, Biogas oder grünen Wasserstoff ein – und fördert gezielt Technologien, die mindestens drei Tage kontinuierlich Strom liefern können. Kurzzeitspeicher haben hier keine Chance, was die Entwicklung echter Langzeitlösungen beschleunigt.

Warum wir jetzt handeln müssen

Die Experten schlagen jährliche Auktionen vor, bei denen die Bereitstellungspreise für bis zu 15 Jahre festgelegt werden. Das gibt Investoren Planungssicherheit und ermöglicht einen schrittweisen Ausbau der Speicherkapazitäten. Doch der Plan steht und fällt mit der politischen Umsetzung. Die ersten Ausschreibungen sollen klein beginnen, um Erfahrungen zu sammeln – doch ohne öffentlichen Druck wird die Politik zögern.

Ihre Stimme zählt

Dieser Vorschlag ist eine Chance, die Energiewende endlich zu vollenden. Doch er braucht breite Unterstützung – von Kommunen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern. Unterstützen Sie den Aufruf zur Einführung eines Marktanreizprogramms für Langzeitspeicher! Mit Ihrer Unterschrift fordern Sie die Politik auf, jetzt die Weichen für eine sichere, erneuerbare Stromversorgung zu stellen.

Also: Mitzeichnen und teilen!
Wählen Sie zunächst, ob Sie als Privatperson mitzeichnen wollen oder für eine Organisation (Unternehmen, Verein, Verband, …):

Quellen:

PV2027-Studie: EEG 2027 bremst den Ausbau privater Photovoltaikanlagen aus

Eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts aquu im Auftrag des Solarenergie-Fördervereins Deutschland (SFV) zeigt: Die geplanten Regelungen im EEG 2027 werden den Ausbau privater Photovoltaikanlagen deutlich ausbremsen.
Insbesondere die vorgesehene Nulleinspeisung führt dazu, dass bis zu 69 % des erzeugten Solarstroms ungenutzt verloren gehen. Gleichzeitig verlängern sich die Amortisationszeiten von PV-Anlagen erheblich, während die Stromgestehungskosten deutlich steigen.

Die Infografik mit dem Titel „Einspeiseverbot im EEG 2027 verursacht enorme Ertragsverluste" zeigt auf dunkelblauem Hintergrund mit orangefarbenen und roten Akzenten den Ertragsverlust einer Solaranlage mit Batteriespeicher durch ein geplantes Einspeiseverbot ab 2027. Eine Legende oben links erklärt die Farbcodierung: Rot steht für Abregelung, grau für Netzeinspeisung und orange für Eigenverbrauch. Im Zentrum der Grafik stehen zwei Säulen im Vergleich. Die linke Säule mit der Beschriftung „Bisher: Uneingeschränkte Netzeinspeisung möglich" zeigt einen hohen Balken, der sich aus einem großen grauen Bereich für die Netzeinspeisung mit einem Strommasten-Symbol und einem kleineren orangen Bereich für den Eigenverbrauch mit einem Haus-Symbol zusammensetzt. Ein weißer, nach unten zeigender Pfeil in der Mitte trägt die Aufschrift „-69 % Verlust" in roter Schrift und verbindet die beiden Säulen. Die rechte Säule mit der Beschriftung „Ab 2027: Nulleinspeisung (Verbot der Einspeisung)" ist deutlich niedriger. Ihr oberer, nun roter Bereich für die Abregelung enthält ein Mülltonnen-Symbol, das den verlorenen Ertrag symbolisiert, während der untere orange Bereich für den Eigenverbrauch mit dem Haus-Symbol gleich groß bleibt wie zuvor. Ein weißer Trennstrich markiert in beiden Säulen die Grenze zwischen den Bereichen. Unten links befindet sich ein orangefarbenes Kreissymbol mit Batterie und Solarpanel sowie der Beschriftung „Solaranlage mit Batteriespeicher". Darunter zeigen zwei Symbolreihen den Unterschied: Links veranschaulichen ein Solarpanel, drei Pfeile und ein Strommast die bisherige uneingeschränkte Einspeisung, rechts zeigen ein Solarpanel, ein rotes Verbotsschild über den Pfeilen und ein Strommast das kommende Einspeiseverbot. Die Fußzeile nennt als Quelle die PV2027-Studie für ein Eigenheim mit 10-kW-PV-Anlage und 10-kWh-Speicher und erläutert in einer Fußnote, dass Nulleinspeisung als Alternative zur Direktvermarktung und befristeten Marktwertdurchleitung zu verstehen ist. Das Copyright liegt bei aquu.de. Die Kernaussage der Grafik ist, dass durch das im EEG 2027 vorgesehene Verbot der Netzeinspeisung bei einer typischen Eigenheim-Solaranlage mit Speicher 69 Prozent des bisherigen Ertrags verloren gehen, da nur noch der Eigenverbrauch genutzt werden kann und der Rest abgeregelt wird.
Durch das im EEG 2027 (Kurzbezeichnung für die grundlegende Novelle des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (amtlich: Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien), die am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll) vorgesehene Verbot der Netzeinspeisung bei einer typischen Eigenheim-Solaranlage mit Speicher können 69 Prozent des bisherigen Ertrags verloren gehen, da nur noch der Eigenverbrauch genutzt werden kann und der Rest abgeregelt wird (Quelle: www.aquu.de).

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass weder die geplante Direktvermarktung noch die Nulleinspeisung für kleine Anlagen bis 25 kW derzeit wirtschaftlich sinnvoll sind.

Nulleinspeisung: 69 Prozent des Stromertrags einer typischen 10-kW-Anlage mit 10-kWh-Speicher gingen ungenutzt verloren. Die Amortisationszeit verlängerte sich um 10 Jahre auf über 25 Jahre. Die Stromgestehungskosten verdreifachten sich auf 31 Cent pro Kilowattstunde.

Direktvermarktung: Den jährlichen Erlösen von rund 250 Euro stehen Kosten für Direktvermarkter, digitalen Zähler und Steuerungseinrichtung von rund 260 Euro gegenüber – ein Verlustgeschäft. Die Amortisationszeit steigt von 15,6 auf 24 Jahre.

Kai Buchholz (aquu): „Fehlende intelligente Messsysteme, nicht standardisierte Prozesse und geringe Erlöspotenziale machen die Direktvermarktung für kleine Anlagen unattraktiv.“ Dr. Johannes Weniger (aquu) ergänzt: „Die Nulleinspeisung verteuert Solarstrom von 10 auf über 30 Cent je Kilowattstunde – ein fataler Fehlanreiz.“

SFV-Geschäftsführerin Susanne Jung warnt: „Das ist ein energiepolitisches Desaster. Der solare Ausbau im kleinen Anlagensegment könnte zum Erliegen kommen.“

Die fünf Forderungen von SFV und aquu:

  1. Feste Einspeisevergütung beibehalten
  2. Marktprämie auch für kleine Anlagen öffnen
  3. Direktvermarktung nicht erzwingen
  4. Nulleinspeisung vermeiden
  5. Flexiblen Einsatz von Batteriespeichern fördern

Aus Ahrtal wird SolAHRtal: Fünf Jahre nach der Flut – eine Zwischenbilanz

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe zeichnet sich ein zwiespältiges Bild: Bei den Nahwärmenetzen ist das Ahrtal auf dem Weg zur Modellregion weiter als viele erwartet haben. Doch ein öffentliches Gesamtmonitoring, das den Fortschritt des nachhaltigen Wiederaufbaus transparent und nachprüfbar macht, fehlt bis heute. Damit droht das politische Versprechen einer „Modellregion Ahrtal” zur unverbindlichen Leerformel zu werden – während die SolAHRtal-Initiative bereits seit 2022 einen fachlichen Maßstab für die Bewertung liefert.

Der Projektvorschlag als Referenzrahmen

Im Mai 2022, weniger als ein Jahr nach der Katastrophe, legte die SolAHRtal-Initiative den Projektvorschlag „Nachhaltiger Wiederaufbau und Nutzung regenerativer Energien im Kreis Ahrweiler” vor. Mehr als 45 ehrenamtlich engagierte Fachleute aus Wissenschaft, Ingenieurwesen, Energieberatung, Handwerk und Zivilgesellschaft entwickelten darin ein fachübergreifendes Gesamtkonzept für den klimaneutralen Umbau des Energiesystems im Ahrtal – mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Bereiche Strom, Wärme, Mobilität und Flächenplanung.

Was ursprünglich als Vision für den Wiederaufbau entstand, hat im Laufe der Jahre eine zweite Bedeutung gewonnen: Der Projektvorschlag dient heute zunehmend als fachlicher Orientierungsrahmen, um bereits erreichte Fortschritte und weiterhin bestehende Defizite systematisch einordnen zu können. Die nachfolgende Bilanz beschreibt deshalb nicht nur die einzelnen Maßnahmen des Wiederaufbaus, sondern bewertet sie zugleich danach, in welchem Umfang sich die damals formulierten Ziele inzwischen in der Praxis wiederfinden.

Was wurde erreicht? – Nahwärmenetze als Erfolgsgeschichte

Unmittelbar nach der Flut schien die Vorstellung unrealistisch, ganze Ortslagen künftig über erneuerbare Nahwärmenetze zu versorgen. Fünf Jahre später zeigt sich ein differenziertes Bild: Aus ersten Visionen sind mehrere konkrete Projekte entstanden, die inzwischen bundesweit Beachtung finden.

Bereits Ende 2022 entstand in Marienthal das erste dauerhaft betriebene Bürger-Nahwärmenetz des Ahrtals, betrieben von der eegon – Eifel Energiegenossenschaft eG, das Biomasse mit Solarthermie kombiniert.

Einen Meilenstein markierte das Jahr 2023 in Rech. Dort entstand mit dem kalten Nahwärmenetz ein quartiersbezogenes Versorgungssystem auf Basis oberflächennaher Geothermie. Anders als klassische Fernwärme transportiert dieses Netz kein heißes Wasser, sondern stellt den Gebäuden ein niedrig temperiertes Wärmenetz zur Verfügung, aus dem die einzelnen Wärmepumpen ihre Umweltwärme beziehen. Die erste Ausbaustufe versorgt inzwischen zahlreiche Haushalte; langfristig soll das Netz weiterwachsen. Parallel richtete die Ortsgemeinde einen kommunalen Arbeitskreis zur Energieentwicklung ein, der Stromerzeugung, Wärmewende und Eigenversorgung erstmals systematisch gemeinsam betrachtete.

Nahwärmeprojekte im Ahrtal (Stand: Juli 2026)

ProjektträgerProjektOrtStand
eegon – Eifel Energiegenossenschaft eGBürger-NahwärmenetzMarienthalSeit November 2022 in Betrieb
Ortsgemeinde RechKaltes NahwärmenetzRechIn Betrieb
Energie Dernau GmbHNahwärmenetzDernauUmsetzung
Energie Mayschoß GmbHNahwärmenetzMayschoßUmsetzung
Zukunft Mittelahr AöRKoordination der WärmeprojekteDernau – Rech – MayschoßLaufend
Projekt „Kalte Dorfwärme Altenahr”Kaltes WärmenetzAltenahrProjekt
Projekt „Kalte Dorfwärme Hönningen”Kaltes WärmenetzHönningenProjekt
Projekt „Kalte Dorfwärme Altenburg”Kaltes WärmenetzOrtsgemeinde AltenahrProjekt

Gemeinsam zeigen diese Projekte, welches Potenzial bürgerschaftliches Engagement für eine klimafreundliche Energieversorgung besitzt. Was unmittelbar nach der Flut vielfach noch als Vision galt, ging innerhalb weniger Jahre in die praktische Umsetzung über. Die Erfahrungen aus dem Ahrtal stoßen inzwischen bundesweit auf Interesse: Rech und Marienthal haben sich zu Referenzprojekten für den klimafreundlichen Wiederaufbau entwickelt, das Kompetenzzentrum Nahwärme der Energieagentur Rheinland-Pfalz koordiniert den überregionalen Wissenstransfer.

Von der Projektinsel zur Gesamtstrategie – Kommunale Wärmeplanung

Mit dem Inkrafttreten des Wärmeplanungsgesetzes zum 1. Januar 2024 gewinnen kommunale Wärmepläne auch im Kreis Ahrweiler zunehmend an Bedeutung. Während nach der Flut zunächst einzelne Pilotprojekte im Mittelpunkt standen, rückt nun die Frage in den Vordergrund, wie ganze Gemeinden künftig mit erneuerbarer Wärme versorgt werden können.

Die Nahwärmeprojekte liefern dafür wichtige praktische Erfahrungen. Sie verbinden Gebäude, Energiequellen, Stromnetze und kommunale Entwicklung zu einer langfristigen Gesamtstrategie. Die Entwicklung bestätigt damit einen zentralen Gedanken des SolAHRtal-Projektvorschlags: Die Energiewende gelingt besonders dort, wo Stromversorgung, Wärmeversorgung, Netzinfrastruktur und kommunale Entwicklung gemeinsam geplant werden.

Gleichzeitig machen die Erfahrungen deutlich, dass gemeinschaftliche Wärmenetze hohe planerische, organisatorische und finanzielle Anforderungen stellen und eine langfristige Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordern. Die Berichterstattung von SWR und anderen Medien zeigt, dass sich die Entwicklung in den einzelnen Gemeinden unterschiedlich schnell vollzieht und der Aufbau einer flächendeckenden Wärmeversorgung weiterhin einen langen Atem erfordert.

Wo es hakt – Infrastruktur, Digitalisierung und das fehlende Monitoring

Stromnetz und Digitalisierung

Mit jeder neu installierten Photovoltaikanlage, jeder Wärmepumpe und jedem Batteriespeicher steigen die Anforderungen an die Stromnetze. Der Erfolg der Energiewende hängt nicht allein vom Ausbau erneuerbarer Energien ab – ebenso entscheidend ist die Leistungsfähigkeit der Verteilnetze, der Ausbau von Ortsnetzstationen und Transformatoren sowie die Digitalisierung der Netzinfrastruktur.

Hier zeigt sich ein strukturelles Spannungsfeld: Während Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen vielerorts zum neuen Standard beim Wiederaufbau werden, entwickelt sich die Digitalisierung der Energieversorgung – insbesondere der Rollout intelligenter Messsysteme (Smart Meter) – deutlich langsamer. Dabei gelten Smart Meter als wichtige Voraussetzung für flexible Stromtarife, netzdienliches Laden von Elektrofahrzeugen, den wirtschaftlichen Betrieb von Batteriespeichern und den Aufbau virtueller Kraftwerke. Die technische Entwicklung der Gebäude schreitet schneller voran als die Digitalisierung der Netzinfrastruktur.

Zwei Geschwindigkeiten im Wiederaufbau

Bereits 2023 zeichnete sich ein Entwicklungsmuster ab, das den Wiederaufbau bis heute prägt: Während Wohngebäude, Straßen, Brücken und öffentliche Einrichtungen vielerorts zügig wiederhergestellt werden, entwickelt sich der Umbau der Energieinfrastruktur deutlich langsamer. Der bauliche Wiederaufbau ist vielerorts sichtbar abgeschlossen oder weit fortgeschritten. Der Umbau hin zu einem klimaresilienten und treibhausgasneutralen Energiesystem benötigt dagegen mehr Zeit, weil technische Infrastruktur, Genehmigungsverfahren und kommunale Planungen langfristig aufeinander abgestimmt werden müssen.

Das zentrale Defizit: Kein Gesamtmonitoring

Fakten / Einschätzung: Die farbig markierten Textpassagen enthalten Einschätzungen unseres Redaktionsteams. Alle nicht markierten Inhalte beruhen auf überprüfbaren Tatsachen.

Die größte Schwachstelle bleibt jedoch eine andere: Nach unserem Kenntnisstand liegt bis heute keine kreisweite, öffentlich zugängliche Auswertung darüber vor, wie sich die Energieversorgung des gesamten Ahrtals seit der Flutkatastrophe verändert hat. Dadurch lässt sich weder belastbar beurteilen, welcher Anteil der zerstörten fossilen Heizsysteme inzwischen durch erneuerbare Wärmeversorgung ersetzt wurde, noch in welchem Umfang das politisch formulierte Ziel einer „Modellregion Ahrtal” tatsächlich erreicht worden ist.

Die Klimaschutz- und Energiewendeberichte des Kreises Ahrweiler sowie weitere wissenschaftliche Quellen ermöglichen lediglich eine eingeschränkte Einschätzung.

Die echte Umsetzung der ausgerufenen „Modellregion Ahrtal” wird nie das Ergebnis eines politischen Versprechens sein. Sie braucht klar definierte Ziele, transparente Erfolgskriterien und regelmäßig veröffentlichte Fortschrittsberichte. Genau daran fehlt es bislang, um den Weg zur Modellregion oder zum klimaneutralen Umbau der Energieversorgung objektiv bewerten zu können.

Ausblick

Die größte Chance der kommenden Jahre besteht unseres Erachtens darin, dass Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürgerschaft ein gemeinsames Leitbild mit messbaren Zielen und regelmäßig veröffentlichten Fortschrittsberichten etablieren. Die Arbeitsweise unseres Runden Tisches zeigt, wie komplexe Zukunftsaufgaben gemeinsam entwickelt werden können.

Die inzwischen entstandenen Nahwärmeprojekte belegen, dass der Projektvorschlag der SolAHRtal-Initiative kein theoretisches Konstrukt geblieben ist, sondern in zentralen Teilen seine praktische Tauglichkeit bewiesen hat. Was nun fehlt, ist der politische Wille, die längst überfällige Transparenz zu schaffen – durch ein öffentliches Gesamtmonitoring, das den Fortschritt des nachhaltigen Wiederaufbaus für alle nachvollziehbar macht.

Werden die aufgezeigten Chancen ergriffen, kann das Ahrtal über die Landesgrenzen hinaus vorzeigen, wie aus einer Naturkatastrophe eine international beachtete Modellregion für Klimaanpassung, Energiewende und bürgerschaftliches Engagement entstehen kann.

Ausführliche Hintergründe und Bewertungen

Wer die Hintergründe, Quellen und Bewertungen im Detail nachvollziehen möchte, findet hier unsere wissenschaftlich fundierte Dokumentation. Sie dokumentiert den bisherigen Weg vom Ahrtal zum SolAHRtal, benennt erreichte Fortschritte ebenso wie bestehende Defizite und versteht sich als fachlicher Referenzrahmen für Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Frühere Veröffentlichungen zum Thema

Bereits 2024 hat die SolAHRtal-Initiative eine erste Zwischenbilanz zum Stand des nachhaltigen Wiederaufbaus im Ahrtal vorgelegt: „Aus Ahrtal wird SolAHRtal – eine erste Zwischenbilanz“. Der Beitrag beleuchtet die Entwicklung der ersten drei Jahre nach der Flutkatastrophe.

Quellen

CCS enttarnt: Warum CO₂-Speicherung keine Lösung ist – sondern ein Risiko

Kohlendioxid einfangen, speichern oder gar als Rohstoff nutzen – Technologien wie CCS und CCU werden zunehmend als Baustein im Kampf gegen die Klimakrise diskutiert und von der Politik gefördert. Doch können sie dieses Versprechen wirklich halten?

Webinar: "CCS enttarnt: Warum CO₂-Speicherung keine Lösung ist – sondern ein Risiko"

Kohlendioxid-Emissionen sind hauptverantwortlich für die Klimakrise. Wie schön wäre es, wenn wir sie einfach zum Verschwinden bringen könnten! Die Erfüllung dieses Traums verspricht ein Konzept namens CCS. Kohlendioxid soll aus der Atmosphäre oder aus Abgasströmen herausgefiltert und dann in Endlagern verwahrt werden. Oder, noch besser: Es soll als Rohstoff in der Chemieindustrie Verwendung finden – in derselben Chemieindustrie, die es bisher noch in großen Mengen als Abfall produziert. Das nennt sich dann CCU.

Spätestens mit dem Koalitionsvertrag ist klar, dass die neue Bundesregierung sich von diesen Ideen viel verspricht. Ganze Industriezweige sollen mit Hilfe von CCS und CCU “klimaneutral” werden, also nicht mehr CO2 in die Luft entlassen, als sie an anderer Stelle wieder einfangen. Kann das funktionieren? So viel wollen wir an dieser Stelle spoilern: Nein.

Seien Sie dabei am Montag, den 12. Mai 2025, um 18:00 Uhr, wenn unsere Expert*innen Dr. Bernhard Weßling und Kerstin Meyer ihre Analysen zu Thermodynamik, Nachhaltigkeit und politischer Schönrechnung von CCS/CCU in dem von PowerShift organisierten Webinar präsentieren und zur Diskussion stellen.

Dr. Bernhard Weßling hat sich die Sache ganz grundsätzlich angeschaut, und zwar auf der Ebene der Thermodynamik. Was bedeutet es eigentlich, wenn es heißt, CCS und CCU benötigen viel Energie? Was geschieht, wenn Kohlendioxid erst erzeugt und dann wieder eingefangen wird? Kann es einen “nachhaltigen” technischen Kohlenstoffkreislauf überhaupt geben? Und was bedeutet „Nachhaltigkeit“ eigentlich genau, wie können wir sie objektiv beurteilen bzw. sogar messen?
In diesem Webinar stellt er seine Erkenntnisse vor und zur Diskussion. Das Ergebnis seiner Analyse: CCS, DAC, CCU sind alles andere als nachhaltig, sie werden massive Kollateralschäden in der Umwelt verursachen.

Die große Frage, die danach bleibt: Wie kann es sein, dass diese Technik dennoch als Option für den Klimaschutz gilt? Kerstin Meyer schaut mit uns in aktuelle und geplante Regelwerke und erklärt, wie CCS (und CCU) auf dem Papier systematisch schöngerechnet werden und warum auch hypothetisches CCS gefährlich für den Klimaschutz ist.

Zu den Referent*innen:

  • Dr. Bernhard Weßling ist Chemiker, Unternehmer, Naturforscher und Autor (zuletzt erschienen: “Was für ein Zufall! Zum Ursprung von Unvorhersehbarkeit, Komplexität, Krisen und Zeit”, SpringerNature 2025)
  • Kerstin Meyer ist die Leiterin Wirtschaft und Finanzen beim BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Moderation:

Neelke Wagner, Referentin für Klima- und Ressourcengerechtigkeit bei PowerShift – Verein für eine ökologisch-solidarische Energie- & Weltwirtschaft e.V.

CCS: Des Fossils neues Kleid

Viele seiner Vor-Wahl-Ankündigungen hat der mögliche nächste Bundeskanzler Merz fallen lassen. Die Novellierung des CCS-Gesetzes, welche die Ampel-Regierung wegen Widerständen aus den Reihen der Grünen und auch der SPD nicht mehr durchbringen konnte, setzt er aber ganz oben auf die Agenda. CCS und CCU sollen für „schwer vermeidbare Emissionen der Industrie und Gaskraftwerke“ zum Einsatz kommen.

CO₂-Quellen zu Profitquellen machen

Welch eine Widersprüchlichkeit schon in diesen wenigen Worten steckt! Wenn nur „schwer vermeidbare“ Emissionen einer Entsorgung per CCS zugeführt werden sollen, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass für „leicht vermeidbare“ Emissionen CCS und CCU nicht zum Einsatz kommen dürfen. Ausgerechnet aber diejenigen Emissionen, die am allerleichtesten und am vorteilhaftesten zu vermeiden sind – nämlich die von Gaskraftwerken, welche jederzeit durch erneuerbare Technologien vollständig zu ersetzen wären – werden von der Vermeidungspflicht ausgenommen und dem CCS-System zur Verfügung gestellt. Offensichtlich liegt die Priorität nicht auf maximaler Emissionsvermeidung, sondern darauf, ein möglichst großes Anwendungsfeld für CCS zu schaffen.

Die Umetikettierung: Wie EOR zu CCS wurde

So wird von Anfang an klar, dass Klimaschutz gar nicht das treibende Motiv ist. Wer wissen will, worum es statt dessen geht, wird unter anderem bei der Deutschen Carbon Management Initiative (DCMI) fündig. Diese – ein Zusammenschluss von Firmen, die mit Erdgas, Pipelinebau und verwandten Tätigkeiten zu tun haben (SEFE, OGE, Gasunie, Uniper und Höegh Evi) – propagiert CCU/S zwecks „Entwicklung einer leistungsfähigen CO₂-Wertschöpfungskette in Deutschland“. Per CCS sollen CO₂-Quellen zu Profitquellen werden. Es geht also gerade nicht darum, sich vom CO₂ zu verabschieden, denn je mehr davon zum Verpressen anfällt, umso „leistungsfähiger“ wird die „CO₂-Wertschöpfungskette“. Auf die fossile Energiewirtschaft lässt sich deshalb nicht verzichten: Durch Beschränkung auf einige industrielle CO₂-Quellen würde die Errichtung einer CCS-Infrastruktur unrentabel.

Kleiner Exkurs zum Thema „Kompromiss“

Schlimm, dass auf der höchsten politischen Ebene unseres Landes eine derart hinterhältige Taktik möglich ist, sowie das intellektuell niedrig stehende Denken, auf dem sie basiert. Schlimm, dass auch die SPD das alles mitmacht, statt sich zu einer Rolle als Korrektiv berufen zu fühlen.
Nina Scheer, energie- und klimapolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion und stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe Klima- und Energiepolitik in den Sondierungsgesprächen wurde vom Tagesspiegel gefragt:
“Der Bau von Gaskraftwerken mit CCS ist laut Koalitionsvertrag zulässig. Die SPD war eigentlich dagegen. Was kann Ihre Partei dem Vorschlag plötzlich abgewinnen?” Ihre Antwort:

“Es müssen in einem Koalitionsvertrag immer Kompromisse gemacht werden, die auch bedeuten können, dass Dinge verständigt werden, die von einer Seite kritisch gesehen werden. In der Umsetzung wird darauf zu achten sein, keine verlängerten Abhängigkeiten von fossilen Gasen beziehungsweise keine Hemmnisse für den Hochlauf von grünem Wasserstoff zu schaffen.“

Sicher, es kann Situationen geben, in denen Kompromisse in der Sache unvermeidlich sind. Nicht aber im Fall schierer intellektueller Unzulänglichkeit, beziehungsweise unlauterer Absichten! Gilt die „schwere Vermeidbarkeit von Emissionen“ als Grundkriterium für CCS, darf man CCS nicht für die Entsorgung leicht vermeidbarer Emissionen nutzen/zulassen. Wer das trotzdem will, muss ein spezielles Motiv haben und dieses offen legen. Verwirrung der Bevölkerung kann niemals Ziel eines Kompromisses sein!
Und wie ist zu verstehen „In der Umsetzung … darauf zu achten …, keine verlängerten Abhängigkeiten von fossilen Gasen … zu schaffen.“? – Durch den Bau von 20 GW neuer Gaskraftwerke sind die „verlängerten Abhängigkeiten von fossilen Gasen“ laut Koalitionsvereinbarung doch beschlossen. Worauf gibt es dabei denn jetzt noch zu achten? Aber zurück zum Thema.

Fossil-Konzerne leugneten den Klimawandel

Ab ca. 1960 erkannte die Gesellschaft vermehrt den Klimawandel als Realität und fossile Energien als dessen Hauptursache. Auch die fossile Industrie war sich des Sachverhalts bewusst und welche Gefahr er für ihre Zukunft bedeutet. Sie suchte Hilfe in dem, was „Wissenschaft“ genannt wird: Träger wissenschaftlicher Titel wurden bezahlt, um öffentlich zu „beweisen“, dass es den Klimawandel nicht gibt (siehe zum Beispiel den Bericht des US-Kongresses vom April 2024 mit dem Titel „Leugnen, Desinformation und Doppelzüngigkeit: Die Bemühungen von Big Oil, sich der Verantwortung für den Klimawandel zu entziehen“).

Diese Taktik stellte sich aber als zu einfach, als zu plump gedacht heraus. Angesichts immer drastischer werdender Auswirkungen der Klimaerhitzung war die Behauptung, dass es das alles gar nicht gibt, nicht aufrecht zu erhalten. Eine bessere Strategie für die Zukunftssicherung musste her.

EOR wird in CCS umgelogen

Den Konzernen kam eine für ihre Zwecke wirklich raffinierte Idee. Sie stoppten die Leugnung des Klimawandels. Stattdessen bemühten sie sich, seine Gefährlichkeit möglichst herauszustellen. Doch sie präsentierten ein Gegenmittel. Die Ursache des Übels sei zu viel CO₂ in der Luft. Dieses Problem könne man beseitigen. Man müsse das Klimagas einfach unter der Erde ablagern. Dort könne es keinen Schaden anrichten.

Seit den 1970er Jahren war es in den USA gängige Praxis, CO₂ in Ölfelder zu pressen. Dadurch wollte man die Förderung effektivieren (Enhanced Oil Recovery, EOR). Je nach den örtlichen geologischen Verhältnissen kam mit dem zusätzlich geförderten Öl das meiste CO₂ sogleich wieder nach oben. Ein Teil verblieb aber bis auf weiteres im Untergrund. Dies deklarierte man als „dauerhafte Speicherung“. Man gab dem „Enhanced Oil Recovery“ einfach einen anderen Namen: „Carbon Capture and Storage, CCS“. Am technischen Verfahren änderte sich dadurch gar nichts. Man kaufte CO₂ zum Beispiel von Kohlekraftwerken. Dann behauptete man: Dieses CO₂ wird teilweise im Untergrund festgehalten. Es ist somit der Luft entzogen und schützt das Klima.

Man hängte jedoch eine Tatsache nicht an die große Glocke: Bei der Verbrennung des per EOR zusätzlich geförderten Öls wird ein Vielfaches des im Untergrund verbliebenen CO₂ freigesetzt. In der Bilanz wird also weitaus mehr CO₂ emittiert, als wenn die Abgase des Kraftwerks unbehandelt in die Luft gehen würden. Der Überschuss ist nämlich enorm. Mit den „normalen“ Fördermethoden kann ein Ölfeld zu 20 bis 40 Prozent ausgebeutet werden. Durch EOR steigert sich dieser Wert auf 30 bis 60 Prozent. (Quelle)

Bei 80% aller „CCS“ genannten Projekte handelt es sich um EOR

Vielleicht möchte der eine oder die andere jetzt meinen, dass diese völlig absurde Verkehrung von Klimaschutz in sein Gegenteil vielleicht ausnahmsweise vorkommen mag. „Schwarze Schafe“ gibt es ja überall. Doch so ist es nicht.
Die Bundesregierung selber teilt in ihrem CCS-Evaluierungsbericht mit, dass es sich bei 70 Prozent sämtlicher „CCS“ genannten Unternehmungen um EOR handelt. Der Journalist Michael Buchsbaum kommt auf “mehr als 80 Prozent” (“Wenn man zur Rettung des Klimas Öl braucht” (Quelle)
Obwohl die meiste „CO₂-Speicherung“ die Emissionen sogar steigert, hindert das Bundesregierung und Befürworter nicht daran, das Gegenteil zu behaupten: Sie stufen CCS als unverzichtbare Klimaschutzmaßnahme ein und fordern dessen Einsatz und Förderung.

Herkunft des CO₂ verschärft das Problem

Dabei ist das bisher Gesagte noch nicht alles. Ein wichtiger Fakt ist hierzulande kaum bekannt: Mehr als 70% der US-„CCS“-Projekte sind tatsächlich EOR. Sie nutzen CO₂, das überwiegend nicht von Menschen verursacht wurde (also nicht aus Kraftwerken oder Industrie). Stattdessen stammt es aus natürlichen Vorkommen – das ist billiger und einfacher. So wird CO₂ aus bisher verschlossenen natürlichen Quellen freigesetzt. Dieses gelangt dann – zusätzlich zum CO₂ aus dem verbrannten EOR-Öl – größtenteils ebenfalls in die Atmosphäre (Buchsbaum, op.cit.).

Zur CCS-Debatte in der Gesellschaft

Laut CCS-Apologeten dient das alles dem Klimaschutz. Doch immerhin gibt es auch Gegenstimmen – und nicht wenige. Die Literatur aus Studien pro und contra, Berichten und Kommentierungen in den Medien, vielgestaltigem Propagandamaterial ist unüberschaubar geworden. Die Kontroverse läuft seit annähernd zwei Jahrzehnten.
Derweil klopfen sich die Konzernführer auf die Schenkel. Diese Zeit haben sie schon mal gut über die Runden gebracht. Mit einer zu plumpen Lüge fingen sie an. Die zweite Lüge hat dann aber gesessen. Ein ganzes Heer wissenschaftlich ausgebildeter Fürsprecher hat sie hervorgebracht, die CCS quasi zu ihrer Weltanschauung gemacht haben und ihre Brötchen damit verdienen.
Auf der Seite der zum großen Teil ehrenamtlich tätigen Gegner konnte durch die CCS-Debatte ein beträchtliches Potenzial an Intelligenz und Engagement gebunden werden, das andernfalls dem Ausbau der erneuerbaren Energien zugute gekommen wäre.

CCS: Der Versuch, die Vergangenheit festzuhalten

Geht man der Taktik der Fossil-Konzerne also schon auf den Leim, wenn man so viel Zeit und Energie in die Auseinandersetzung mit der CCS-Lüge investiert? Die Antwort ist: Nein und Ja.

Nein, man geht nicht auf den Leim, wenn man die ernsthafte Analyse ihrer falschen Behauptungen nutzt. Dadurch kann man einen scharfen Blick, unbeirrtes Denken und eine mutige Haltung trainieren.

Ja, man geht auf den Leim, wenn man der CCS-Idee zu viel Potenzial beimisst. Das gilt auch, wenn man irgendwann nicht erkennt, dass Erbärmlichkeit ihr eigentliches Wesen ist. Sie ist kein mit frischem Mut in die Zukunft gerichtetes Projekt, sie ist der aus Not geborene Versuch, Vergangenheit festzuhalten.

Die erneuerbaren Energien wachsen aber unaufhaltsam. Sie sind der alten Energiewelt überlegen hinsichtlich Klimaverträglichkeit, hinsichtlich Kosten, hinsichtlich Resilienz und – wegen ihres dezentralen Wesens – hinsichtlich Demokratiefreundlichkeit. Gegen all das hat die fossile Branche nichts anzubieten. – Würde sie doch wenigstens den Mumm aufbringen, den es zum „Loslassen“ braucht! Welch gigantischen Gefallen würde sie damit der Welt und sich selber tun! Verhindern kann sie den Energiewechsel nicht, aber sie kann ihn durch CCS hinauszögern und neben Öl und Gas Unsummen von Geld verbrennen, das für den Aufbau des Neuen zum Wohle aller eingesetzt werden sollte.

Neu sichtbar gewordenen Defizite

CCS kann niemals eine epochemachende Lösung werden. Vergleicht man die heutige Diskussion mit der vor 15 Jahren, so stellt man fest, dass die Befürworter nur Dinge wiederholen können, die damals schon vorgebracht wurden. Auf der Gegenseite sind neue, bedeutende Argumente hinzu gekommen: Der früher als „Vorzeigespeicher“ gehandelte „Sleipner“ demonstriert heute, dass selbst intensivste geologische Untersuchungen keine wirklich sicheren Erkenntnisse erbringen können. (Quelle)
Aktuell wird man bei der Planung von CO₂-Pipelines auf Folgendes aufmerksam: CO₂-Ströme aus verschiedenen industriellen Quellen sind mit unterschiedlichen Verunreinigungen belastet. Wenn solche Ströme in einem Rohr zusammengeführt werden, wie es in Deutschland vorgesehen ist, können gefährliche Mischungen entstehen. Das Wuppertal Institut bezeichnet das Problem als „hochrelevant und nicht trivial“. Bereits geringe Mengen an Begleitstoffen könnten dazu führen, dass sich das Gas plötzlich ausdehnt. „Dadurch könnten Risse entstehen und Gas entweichen.“ (Quelle)

Das pro CCS eingestellte Konsortium GEOSTOR kommt nach Untersuchungen des Nordseeuntergrundes zu einem doch sehr verhaltenen Zwischenergebnis: „Aufgrund der begrenzten Kapazitäten und möglicher Umweltrisiken sollte … nur jene CO₂-Restmenge deponiert werden, deren Entstehung sich trotz konsequenter Klimapolitik nicht vermeiden lässt. … Die wesentlichen Herausforderungen liegen aktuell darin, Vorkehrungen zu treffen, mit denen Leckagen aus dem Speichergestein vermieden werden können.“ (Quelle)

Nackt wie der Kaiser

Die Bundesregierung verbreitet zum Beispiel unsägliche Behauptungen. Die Speicher seien über geologische Zeiträume dicht. Ihre Kapazität sei schier unerschöpflich. Leckagen? Unwahrscheinlich. Grundwasserschäden? Nicht zu befürchten. CCS? Unerlässlich für die Klimaziele. Solche Aussagen lassen an Des Kaisers neue Kleider denken. Dort inszenierten die Betrüger ebenfalls einen Riesenspektakel um nichts. Erst ein Kind traute sich zu sagen: „Aber er hat ja gar nichts an.“

Veranstaltungshinweis: Beachten Sie auch das von PowerShift organisierte Webinar zum Thema am Montag, den 12. Mai 2025, um 18:00 Uhr.

„Golden Planet“ an den RT EE verliehen

Am 11. November wurde einer von neun Unternehmer-Awards „The Golden Planet“ an den Runden Tisch Erneuerbare Energien verliehen. Gewürdigt hat die Jury dessen Kind „SolAHRtal-Initiative“.

Preisverleihung "Golden Planet"
V.l.n.r.: Robin Jassoy (Parents for Future), Prof. Dr. Eberhard Waffenschmidt (RT EE), Rainer Doemen (RT EE), Beatrice Bednarz (Scientists for Future), ???, Stefan Gsänger (Parents for Future), Janine O’Keefe (Fridays for Future)
V.l., nur erkennbare Personen: Robin Jassoy (Parents for Future), Prof. Dr. Eberhard Waffenschmidt (Vorsitzender des Solarenergie-Förderverein Deutschland e. V.), Rainer Doemen (RT EE), Beatrice Bednarz (Scientists for Future), Dr. Bert Droste-Franke (IQIB, Forschungsprojekt EnAHRgie), Stefan Gsänger (Initiator WorldRenewDay), Janine O’Keefe (Fridays for Future)

Zum ersten Mal verlieh die Erfolgskooperation The Radio Group, Radio Frankfurt, die Voice-Aid Association und die D.I.P.E.S.H.  den Unternehmer-Award: „The Golden Planet“ für gelebte Nachhaltigkeit. Die Verleihung fand am 11. November 2022 in den Skyline Studios von Radio Frankfurt im City-Gate Tower in Frankfurt am Main statt.

Der Award wurde an neun ausgewählte Unternehmen und Personen verliehen, die in der Vergangenheit ein unglaubliches Engagement für unseren Planeten und dessen Erhalt zeigten. Die Auswahlkriterien für den Award sind die Einzigartigkeit, der gesellschaftliche Mehrwert, verbunden mit dem Einfluss für die Allgemeinheit.

Auch der Runde Tisch Erneuerbare Energien (RT EE) zählt zu den Preisträgern, und zwar für sein Kind „SolAHRtal-Initiative“. Gemeinsam beschlossen Mitglieder des RT EE und der SolAHRtal-Initiative, dass Rainer Doemen den Preis entgegennehmen sollte.
Damit würdigten die Gruppen sein unermüdliches innovatives, projekt- und zielorientiertes Vorgehen.

Neben Rainer Doemen nahmen zahlreiche weitere Mitarbeitende vom Runden Tisch Erneuerbare Energien an der Veranstaltung teil.

Der Golden Planet

Rainer Doemen erkannte nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal die einmalige Chance, den Wiederaufbau des zerstörten Gebietes nur mit Erneuerbaren Energien zu gestalten. Er initiierte innovativ und kreativ mit weiteren (Mit)Initiatoren des RT EE die projektähnliche Arbeitsweise der „SolAHRtal-Initiative“. Schnell fanden über 40 Expert*innen unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen. Sie erarbeiteten in speziell zugeschnittenen Projektarbeitsgruppen ehrenamtlich das kommunalpolitisch geforderte PROJEKT „Nachhaltiger Wiederaufbau und Nutzung regenerativer Energien im Kreis Ahrweiler“.

Weitere Impressionen der Preisverleihung

Golden Planet Award
Querschnitt „Runder Tisch Erneuerbare Energien“, erweitert um Akteure der „SolAHRtal-Initiative“
V.l.: Jürgen Eiselt (Europäische Energiewende Community e.V.), Prof. Dr. Eberhard Waffenschmidt (Vorsitzender des Solarenergie-Förderverein Deutschland e. V.), Stefan Gsänger (Initiator WorldRenewDay), Dr. Bert Droste-Franke (IQIB, Forschungsprojekt EnAHRgie), Robin Jassoy (Parents for Future), Beatrice Bednarz (Scientists for Future), Petra Wildenhain (Aufsichtsratsvorsitzende der Prokon eG (Projektgruppe Windkraft))Janine O’Keefe (Fridays for Future), Gerhard Herget (Aufsichtsratsmitglied Bündnis Bürgerenergie e.V.), Rainer Doemen (RT EE)
Querschnitt „Runder Tisch Erneuerbare Energien“
V.l.: Janine O’Keefe (Fridays for Future), Rainer Doemen (RT EE), Prof. Dr. Eberhard Waffenschmidt (RT EE), Jürgen Eiselt (1. Vorsitzender Europäische Energiewende Community e.V.), Jürgen Voskuhl (Europäische Energiewende Community e.V.), Astrid Arens (D.I.P.E.S.H. / Voice Aid Association), Gerhard Herget (Aufsichtsratsmitglied Bündnis Bürgerenergie e.V.), Stefan Gsänger (Parents for Future)
Alle Preisträger (bzw. Stellvertreter)
Hintere Reihe v.l.: Caroline Munte (Die Kooperative), Christoph Graul (Die Kooperative), Andreas Herrmann,
Neil Azzam, Rainer Doemen (RT EE), Eddy Karim
Vordere Reihe v.l.: Stephan Schwenk (The Radio Group), Astrid Arens, Bernd Roller (Radio Holiday), Janine O’Keeffe (Fridays for Future)

Weitere Informationen zur Veranstaltung von D.I.P.E.S.H.

Bildnachweis

Alle Bilder © Fabian Otto.

Kevin Anderson: Die Realität hinter den Klimazielen, das „Davos-Cluster“ und die Wende von unten

Kevin Anderson, renommierter britischer Klimawissenschaftler, der an den Universitäten in Manchester und Uppsala forscht, beschreibt im Interview mit David Goeßmann eindrücklich, dass die derzeitigen Klimaziele aller Regierungen eine andere, d. h. unbewohnbare Erde zur Folge haben. Aber er gibt auch Hoffnungsaussichten.

Kein Land bietet nationale Maßnahmen an, um das Paris-Ziel erreichen zu können, sagt Kevin Anderson. Zugleich geben die Regierungen wie beim Klimagipfel in Glasgow (COP26) weiter vor, die Temperatur unter 2 Grad Celsius halten zu wollen. Dafür müssten die Industriestaaten jedoch bis spätestens 2035 dekarbonisiert sein, was sie aber nicht planen. Zudem seien Emissionsszenarios, die den Eindruck erwecken, als ob das 2-Grad-Ziel haltbar sei, wenn alle Staaten ihre Versprechen einlösen, „extrem irreführend“. Denn darin eingerechnet sind sogenannte „negative Emissionen“. Wir befinden uns tatsächlich auf dem Weg in eine Welt, die 3 bis 4 Grad wärmer sein wird. „Dann werden wir auf einem anderen Planeten leben“. Eine Kursänderung ist technisch weiter möglich, sagt Anderson, sie wird jedoch blockiert. Das mächtige „Davos-Cluster“, eine Gruppe von Spitzenpolitikern, Unternehmensführern und Meinungsmachern, zeigt sich unfähig und nicht gewillt, die notwendigen Veränderungen einzuleiten. Daher muss die Wende von unten, von organisierten Bewegungen und der Zivilgesellschaft kommen.
Das ganze Interview können Sie hier sehen.

Wiederaufbau nach Flutkatastrophe: Chance zu klimaverträglichen Investitionen nutzen

Die Nutzung fossiler Energien und der damit verbundene CO2-Ausstoß heizt den Klimawandel auch in Deutschland weiter an, obwohl auch hierzulande die Folgen bereits unübersehbar sind. Deshalb muss Klimaschutz beim Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe betroffenen Regionen als sehr wichtiges Ziel im Auge behalten werden. Dies gilt insbesondere für die Wärmeversorgung.

Ein Gastbeitrag von Urban Weber, Ulrike Jordan, Jens Clausen, Stefan Golla, Christoph Gerhards, Peter Klafka

Der aktuelle IPCC-Bericht macht es nochmal deutlich: der Klimawandel ist bereits deutlich sichtbar. Es kommt auf jedes Zehntel-Grad weniger Erderwärmung an, wie dramatisch die Veränderungen werden, auf die wir uns einstellen müssen. Insbesondere durch die Nutzung fossiler Energien und den damit verbundenen CO2-Ausstoß heizt Deutschland weiterhin den Klimawandel an.

Wenn jetzt für den Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe betroffenen Regionen Gelder verteilt werden, ist es daher wichtig, den Klimaschutz als sehr wichtige Ziele im Auge zu behalten.

Die hierzu notwendigen Schritte sind schon länger bekannt. Wir als Scientists for Future haben hierzu im April einen Diskussionsbeitrag veröffentlicht, der in 16 Punkten Orientierung gibt, wie Deutschland schnellstmöglich die CO2-Emissionen im Energiesektor auf nahezu Null senken kann.

Im Wiederaufbau gilt es  vor allem bei der Wärmeversorgung (unser Orientierungspunkt 8) durch geeignete Fördermaßnahmen und zielgerichtete Beratungsangebote einen Wandel zu fossil-freien Heizsystemen zu fördern, da nur so die Klimaziele erreichbar sind.

Eine entscheidende Schnittstelle sind die kommunalen Akteure, die finanziell und durch fachliche Beratung unterstützt werden sollten (möglicherweise durch Institutionen wie z.B. die KEA-BW). Eine kommunale Wärmeplanung kann als Instrument eingesetzt werden, das Ziel einer Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger effizient und lokal angepasst zu erreichen. Es geht nicht nur darum, die Wasser- und Stromversorgung neu zu planen, sondern insbesondere auch die Wärmeversorgung. Bei der kommunalen Wärmeplanung werden sämtliche Akteure, also Stadtplanung, Wärmeversorger, Ingenieurbüros, Installateure, Gebäudeeigentümer:innen usw. beteiligt. In dicht bebauten Orts- und Stadtzentren können Wärmenetze, zentrale Wärmepumpen, ggf auch große Solarthermieanlagen und Wärmespeicher eine große Rolle spielen. Lokale Wärmequellen können optimal eingebunden werden (hierzu zählen z.B. Fließgewässer oder industrielle Abwärme). In Einzelhäusern können überwiegend Wärmepumpen die Versorgung gewährleisten. Hierzu gibt es bereits attraktive Förderprogramme, zusätzliche Nothilfeprogramme könnten hier die individuelle Entscheidung gegen eine neue Öl- oder Gasheizung erleichtern. Auch Dämmmaßnahmen sind wichtig.

Insgesamt sollte die finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau an dem parteiübergreifend geteilten Ziel einer Treibhausgasneutralität ausgerichtet werden. Beim Wiederaufbau sind sinnvolle Modernisierungen mit ohnehin notwendigen Instandsetzungen sinnvoll kombinierbar, beispielsweise:

  • Wenn ein Fußboden erneuert werden muss, kann eine Fußbodenheizung eingebaut werden, die einen effizienteren Einsatz von Wärmepumpen ermöglicht.
  • Wenn die Fassade erneuert werden muss, kann diese nach höchstem Standard gedämmt werden.
  • Für Dämmung, Instandsetzung und Straßenbau können Baustoffe verwendet werden, die in ihrer Herstellung und Entsorgung möglichst keine THG verursachen und keine Schadstoffe zurücklassen.
  • Wenn durch Sanierungsmaßnahmen Gerüste aufgebaut werden müssen, kann auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage direkt mit installiert werden.
  • Wenn Bahngleise instand gesetzt werden müssen, können nicht-elektrifizierte Strecken elektrifiziert werden.
  • Wo eine neue Heizung nötig ist, kann der Umstieg auf eine Wärmepumpe bzw. in Quartieren eine Versorgung durch ein Nahwärmenetz erfolgen. So ist nicht nur eine klimaverträglichere Wärmeversorgung möglich, sondern die Versicherungsproblematik von Ölheizungen in Überflutungsgebieten durch die drohende Wasserverseuchung bei weiteren Fluten wird ebenfalls vermieden.
  • Im optimalen Fall kann auf die Instandsetzung von Erdgasinfrastruktur verzichtet werden.
  • Wenn Stromnetze instand gesetzt werden, können diese schon auf die höheren Leistungen z.B. für den Einsatz von Elektromobilität und Wärmepumpen ausgelegt werden.
  • Beim Wiederaufbau von Parkplätzen oder Straßenlaternen kann Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität mit aufgebaut werden.

In jedem Fall sollten finanzielle Programme zur Unterstützung des Wiederaufbaus so ausgestaltet werden, dass Investitionen in eine klimaverträgliche Energieerzeugung und Verwendung den Handelnden jetzt direkt möglich sind.

Das obige Statement stammt von einigen der Autor:innen des Diskussionsbeitrages der Scientist for Future “Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte”. https://zenodo.org/record/4409334

Das Titelbild des Beitrags wurde freundlicherweise von der Bonner Journalistin Sandra Prüfer zur Verfügung gestellt.

Studien zu den Möglichkeiten, bis 2030 zu 100% Erneuerbaren Energien zu kommen

In diesem Artikel möchten wir Sie mit Studien bekannt machen, die die Möglichkeit untersuchen, so frühzeitig wie möglich zu einer 100%igen Versorgung mit erneuerbaren Energien zu kommen. Sie haben nicht alle das Jahr 2030 zum Ziel. Wenn sich die Politiker aber auf die Erkenntnisse und Empfehlungen in diesen Studien verständigen könnten, dann wäre schon viel auf dem Weg bis 2030 gewonnen.

Saubere Revolution 2030

2014 erschien von Tony Seba in den USA das Buch „Clean Disruption of Energy and Transportation“. Darin beschreibt er in 10 Kapiteln, „wie das Silicon Valley mit disruptiven Technologien und Geschäftsmodellen Kohle, Uran, Erdöl, Erdgas traditionelle Energieversorger und konventionelle Autos verdrängt.“ Er sagt vorher, dass der Umbruch bis 2030 im Wesentlichen passiert sein wird.

Die Übersetzung des Buchs hat rund 250 Seiten, wurde 2017 von MetropolSolar unter dem Titel „Saubere Revolution 2030“ veröffentlicht und ist bei MetropolSolar auch zu beziehen. Die „Saubere Revolution 2030“ gibt eine Orientierung für alle, die wissen wollen, wie denn der Umbau unseres Energie- und Verkehrssystems in so kurzer Zeit funktionieren soll. Tony Seba nimmt die Leserin mit hinein in die Geschichte der Disruptionen, z, B. wie die Digitalkamera den Fotoapparat mit dem Zelluloidsteifen abgelöst hat und erklärt, warum der Durchbruch der erneuerbaren Energien ähnlich gründlich und schnell passieren wird. „Wer verstehen will, wie Solarenergie, autonom fahrende Elektroautos und andere exponetiell wachsende Technologien in ein Zeitalter sauberer, dezentraler und partizipativer Energie und Mobilität führen, muss dieses Buch lesen.“

SolarStrategie

MetropolSolar hat im Februar 2020 außerdem eine Kurz-Studie mit dem Titel „SolarStrategie“ veröffentlicht, die zeigt, warum in der Nutzung des Solarpotentials der Schlüssel zur Energieautonomie liegt und darin wiederum der wichtigste Hebel für eine schnelle Energiewende überhaupt. Denn es sind die Flächen dafür vorhanden, die Preise für die Module sinken ständig, und die Menschen können ihre Energieversorgung zum allergrößten Teil selbst in die Hand nehmen. Der Hauptteil der Veröffentlichung ist nur vier Seiten lang. Es lohnt sich auch die umfangreichen Fußnoten gründlich zu lesen – eine Fundgrube mit dicht gepackten Informationen. Die Studie kann bei MetropolSolar bezogen werden.

Die Kombikraftwerksvergütung

Im April 2020 brachten Hans-Josef Fell und Thure Traber von der EnergyWatchGroup „Eckpunkte für eine Gesetzesinitiative zur Systemintegration Erneuerbarer Energien“ heraus. In ihrem Kern beinhalten die Eckpunkte einen „Gesetzesvorschlag für die Einführung einer sogenannten Kombikraftwerksvergütung“. Sie zeigen, wie eine systemdienliche Vollversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien für die Netze heute schon möglich ist. Das Schreckgespenst der „Dunkelflaute“ kommt darin nicht vor.

Studie des DIW und der TU Berlin

Die Studie vom Mai 2021 heißt 100% erneuerbare Energie für Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Dezentralität und räumlicher Verbrauchsnähe – Potenziale, Szenarien und Auswirkungen auf Netzinfrastrukturen. Sie zeigt auf 60 Seiten, wie 100% erneuerbare Energie in Detschland auch ohne einen aufwändigen und teuren Netzausbau erreicht werden kann. In einem Video wird die Studie von den Autoren vorgestellt und verteidigt.

Gemeinsame Erklärung der Global 100%RE Strategy Group

„Eine Welt auf Basis 100% Erneuerbarer Energien ist möglich und notwendig“, so lautet die Überschrift einer 10-Punkte-Erklärung der sieben weltweit führenden Köpfe für 100% Erneuerbare Energien.

In der Presseerklärung heißt es dazu: „Die weltweit führenden Forscher zur Energiewende, die zum Teil seit fast zwei Jahrzehnten an der Realisierung einer komplexen und sicheren Energieversorgung mit 100% EE forschen, haben die wichtigsten Erkenntnisse ihrer Forschung in dieser 10-Punkte-Erklärung zusammengefasst. … Als Ziel für die Beendigung unserer CO2- und anderer Klimaerwärmungs- und Luftschadstoffemissionen wird für den Stromsektor das Jahr 2030 und für andere Sektoren bald danach, idealerweise aber nicht später als 2035, vorgeschlagen.“

Die gemeinsame Erklärung können Sie hier sehen.

Das Dokument der Global 100% Renewable Energy Strategy Group wurde inzwischen von über 40 Energiesystem-Forschern unterzeichnet, darunter aus Deutschland etwa Claudia Kemfert vom DIW Berlin sowie Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Mitglied des Weltklimarats IPCC.

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Leonardo DiCaprio unterstützen ebenfalls diese Forderung.

Auch Sie können jetzt etwas gegen die Klimakrise tun: Unterstützen Sie ebenfalls die Forderung der Global 100% Renewable Energy Strategy Group!

Klicken Sie dazu auf den folgenden Button und
füllen Sie das Formular (engl.) aus, welches sich anschließend öffnet.

Das ist aber noch nicht alles: Inzwischen gibt es auf OpenPetition auch eine Forderung nach 100% Erneuerbaren Energien für Deutschland. Wir freuen uns sehr darüber, wenn Sie auch diese mitzeichnen!