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Blog - Aktuelle Neuigkeiten

Wiederaufbau nach Flutkatastrophe: Chance zu klimaverträglichen Investitionen nutzen

12. August 2021/in Politik und Gesetzgebung, Wissenschaftl. Themen /von Jürgen Voskuhl

Die Nutzung fossiler Energien und der damit verbundene CO2-Ausstoß heizt den Klimawandel auch in Deutschland weiter an, obwohl auch hierzulande die Folgen bereits unübersehbar sind. Deshalb muss Klimaschutz beim Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe betroffenen Regionen als sehr wichtiges Ziel im Auge behalten werden. Dies gilt insbesondere für die Wärmeversorgung.

Ein Gastbeitrag von Urban Weber, Ulrike Jordan, Jens Clausen, Stefan Golla, Christoph Gerhards, Peter Klafka

Der aktuelle IPCC-Bericht macht es nochmal deutlich: der Klimawandel ist bereits deutlich sichtbar. Es kommt auf jedes Zehntel-Grad weniger Erderwärmung an, wie dramatisch die Veränderungen werden, auf die wir uns einstellen müssen. Insbesondere durch die Nutzung fossiler Energien und den damit verbundenen CO2-Ausstoß heizt Deutschland weiterhin den Klimawandel an.

Wenn jetzt für den Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe betroffenen Regionen Gelder verteilt werden, ist es daher wichtig, den Klimaschutz als sehr wichtige Ziele im Auge zu behalten.

Die hierzu notwendigen Schritte sind schon länger bekannt. Wir als Scientists for Future haben hierzu im April einen Diskussionsbeitrag veröffentlicht, der in 16 Punkten Orientierung gibt, wie Deutschland schnellstmöglich die CO2-Emissionen im Energiesektor auf nahezu Null senken kann.

Im Wiederaufbau gilt es  vor allem bei der Wärmeversorgung (unser Orientierungspunkt 8) durch geeignete Fördermaßnahmen und zielgerichtete Beratungsangebote einen Wandel zu fossil-freien Heizsystemen zu fördern, da nur so die Klimaziele erreichbar sind.

Eine entscheidende Schnittstelle sind die kommunalen Akteure, die finanziell und durch fachliche Beratung unterstützt werden sollten (möglicherweise durch Institutionen wie z.B. die KEA-BW). Eine kommunale Wärmeplanung kann als Instrument eingesetzt werden, das Ziel einer Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger effizient und lokal angepasst zu erreichen. Es geht nicht nur darum, die Wasser- und Stromversorgung neu zu planen, sondern insbesondere auch die Wärmeversorgung. Bei der kommunalen Wärmeplanung werden sämtliche Akteure, also Stadtplanung, Wärmeversorger, Ingenieurbüros, Installateure, Gebäudeeigentümer:innen usw. beteiligt. In dicht bebauten Orts- und Stadtzentren können Wärmenetze, zentrale Wärmepumpen, ggf auch große Solarthermieanlagen und Wärmespeicher eine große Rolle spielen. Lokale Wärmequellen können optimal eingebunden werden (hierzu zählen z.B. Fließgewässer oder industrielle Abwärme). In Einzelhäusern können überwiegend Wärmepumpen die Versorgung gewährleisten. Hierzu gibt es bereits attraktive Förderprogramme, zusätzliche Nothilfeprogramme könnten hier die individuelle Entscheidung gegen eine neue Öl- oder Gasheizung erleichtern. Auch Dämmmaßnahmen sind wichtig.

Insgesamt sollte die finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau an dem parteiübergreifend geteilten Ziel einer Treibhausgasneutralität ausgerichtet werden. Beim Wiederaufbau sind sinnvolle Modernisierungen mit ohnehin notwendigen Instandsetzungen sinnvoll kombinierbar, beispielsweise:

  • Wenn ein Fußboden erneuert werden muss, kann eine Fußbodenheizung eingebaut werden, die einen effizienteren Einsatz von Wärmepumpen ermöglicht.
  • Wenn die Fassade erneuert werden muss, kann diese nach höchstem Standard gedämmt werden.
  • Für Dämmung, Instandsetzung und Straßenbau können Baustoffe verwendet werden, die in ihrer Herstellung und Entsorgung möglichst keine THG verursachen und keine Schadstoffe zurücklassen.
  • Wenn durch Sanierungsmaßnahmen Gerüste aufgebaut werden müssen, kann auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage direkt mit installiert werden.
  • Wenn Bahngleise instand gesetzt werden müssen, können nicht-elektrifizierte Strecken elektrifiziert werden.
  • Wo eine neue Heizung nötig ist, kann der Umstieg auf eine Wärmepumpe bzw. in Quartieren eine Versorgung durch ein Nahwärmenetz erfolgen. So ist nicht nur eine klimaverträglichere Wärmeversorgung möglich, sondern die Versicherungsproblematik von Ölheizungen in Überflutungsgebieten durch die drohende Wasserverseuchung bei weiteren Fluten wird ebenfalls vermieden.
  • Im optimalen Fall kann auf die Instandsetzung von Erdgasinfrastruktur verzichtet werden.
  • Wenn Stromnetze instand gesetzt werden, können diese schon auf die höheren Leistungen z.B. für den Einsatz von Elektromobilität und Wärmepumpen ausgelegt werden.
  • Beim Wiederaufbau von Parkplätzen oder Straßenlaternen kann Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität mit aufgebaut werden.

In jedem Fall sollten finanzielle Programme zur Unterstützung des Wiederaufbaus so ausgestaltet werden, dass Investitionen in eine klimaverträgliche Energieerzeugung und Verwendung den Handelnden jetzt direkt möglich sind.

Das obige Statement stammt von einigen der Autor:innen des Diskussionsbeitrages der Scientist for Future “Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte”. https://zenodo.org/record/4409334

Das Titelbild des Beitrags wurde freundlicherweise von der Bonner Journalistin Sandra Prüfer zur Verfügung gestellt.

Schlagworte: Emissionen, Klimakrise, Klimawandel, Wärmeversorgung, Wiederaufbau
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