Beiträge

„Klima auf die Agenda setzen“ – Offener Brief zum Wahlkampfjournalismus

Der vorliegende offene Brief des Netzwerk Klimajournalismus richtet sich an Medienschaffende und Journalisten im Kontext der bevorstehenden Bundestagswahl. Die Verfasser betonen, dass die Klimakrise als zentrales Thema in der Wahlkampfberichterstattung behandelt werden muss, besonders angesichts des Rekordjahres 2024 als wärmstes Jahr seit Beginn der Klimaaufzeichnungen.

Open brown envelope with blank white card on a desk beside a green plant and a laptop, ready for correspondence or invitation.

Der Brief formuliert fünf konkrete Kernforderungen an die journalistische Arbeit:

  • Systematische Integration der Klimathematik in alle Berichterstattungsformate
  • Aktives Entgegentreten bei Falschinformationen zur Klimakrise
  • Vermeidung von Sensationsjournalismus
  • Solidarität mit angegriffenen Klimawissenschaftlern
  • Aufdeckung von Verzögerungstaktiken und Lobbyismus

Grundlage der Forderungen sind Deutschlands rechtliche Verpflichtungen zum Klimaschutz durch das Pariser Abkommen, das Grundgesetz (Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen für die künftigen Generationen) und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.

Der vollständige Brief ist hier verfügbar und bietet detaillierte Ausführungen zu den einzelnen Forderungen sowie deren Begründungen.
Der RT EE unterstützt die Forderungen des Netzwerk Klimajournalismus vollumfänglich.

Massive Kritik an Ausweitung der Holzverbrennung in Berlin

In Berlin soll die Verbrennung von Frisch- und Altholz zur Fernwärmeerzeugung stark ausgeweitet werden, was bei den Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen NABU, Deutsche Umwelthilfe, Robin Wood, Biofuelwatch, BUND Berlin, BBK und PowerShift auf massive Kritik stößt.
Der RT EE schließt sich der Kritik an.

Interview mit Stefan Rahmsdorf: die politische Einsicht fehlt

Der RTEE macht auf das Interview des Deutschlandfunks mit Klimaforscher und Ozeanograph am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung Stefan Rahmstorf am 30. Juli 2023 aufmerksam.
Seine erschütternde zentrale Aussage: physikalisch liegt die Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad noch im Bereich des Möglichen, politisch fehlt jedoch die Einsicht, die hierfür nötigen Maßnahmen vorzunehmen.

Auch in Bezug auf die deutsche Regierung stellt Rahmstorf fest, dass sie den Klimaschutz nicht als Priorität behandelt. So setzt sie bei ihren energiepolitischen Entscheidungen nicht schnellstmöglich wirksame Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen gegen den drohenden Klimakollaps zuvorderst um.

Die Sichtweise des RT EE

Wir können nicht nachvollziehen, dass Minister und Abgeordnete, die einen Eid auf die Beachtung und Einhaltung des Grundgesetzes geschworen haben, bei ihren Vorschlägen und Entscheidungen andere Maßstäbe ansetzen. So stellen unsere nationalen Gesetzgebungsorgane den Ausbau von LNG-Terminals in Windeseile auf Vorfahrt. Wir sind skeptisch und überprüfen auch die von der Bundesregierung priorisierte Rolle von CCS als prioritäre Maßnahme der zwingend gebotenen Rückholung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre.

Wir wissen, dass die Ampelregierung die verheerend wirkenden energiepolitischen Vorstellungen der FDP wider besseres Wissen beachtet. Letztlich bringen klimaschädigende und risikoreiche energiepolitische Kompromisse die Ethik ins Spiel, auf die Hermann Scheer immer wieder hingewiesen hat. Sie kann schmerzhaft sein, ist aber unabdingbar für das Gelingen der Energiewende – und damit überlebensnotwendig für die Menschheit.

Die Presseinformation des Deutschlandfunks zum Interview

Lesen Sie die nachstehende Pressinformation des Deutschlandfunks. Darunter finden Sie den Link zum Nachhören des vollständigen Interviews.

Stefan Rahmstorf, Klimaforscher und Ozeanograph am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

Das 1,5 Grad Ziel ist politisch kaum mehr erreichbar, physikalisch aber schon

Politisch sei das Ziel praktisch nicht mehr zu halten angesichts der Weltlage, so Klimaforscher Stefan Rahmstorf im Interview der Woche des Deutschlandfunks. Er reagierte damit auf Äußerungen des neuen Chefs des Weltklimarates, Jim Skea, der in dieser Woche erklärt hatte, das 1,5-Grad-Ziel sei nicht mehr zu erreichen.

Rahmstorf erklärte:

Physikalisch kann man es noch erreichen, aber dazu müsste man es eben anpacken, wie, wenn man in einer Kriegssituation ist und das einfach die Top-Priorität hat, die 1,5 Grad zu halten. Realistisch ist es natürlich so, dass die allermeisten Regierungen das eben leider nicht als Top-Priorität behandeln. So werden wir es auf keinen Fall schaffen.“

Verantwortlich dafür macht er auch mangelnde politische Ambitionen. Es fehle nicht an Lösungen, sondern am Willen. Vielen Politikern sei die Dringlichkeit der Lage noch immer nicht klar, sie informierten sich nicht ausreichend. Nach Versäumnissen in vorangegangenen Regierungen behandle nun auch Bundeskanzler Olaf Scholz das Thema nicht mit Priorität.

„An jedem Tag ist das Wetter heute schon anders als es eben ohne Klimakrise wäre“

Mit Blick auf die aktuellen Rekordtemperaturen im Mittelmeerraum – an Land wie im Meerwasser, sowie Extremwetterereignisse der letzten Wochen sieht Rahmstorf einen klaren Bezug zur Erderhitzung. Eine Untersuchung der ETH Zürich habe bereits im letzten Jahr ergeben, dass schon jetzt an jedem Tag das Wetter anders sei, als dies ohne Klimakrise der Fall wäre. Während die globale Durchschnittstemperatur um etwa 1,2 Grad gestiegen ist, sei diese Erwärmung über dem europäischen Festland teilweise doppelt so stark angestiegen. Dies führe nun – wie von der Klimaforschung prognostiziert – zu einer Zunahme von extremen Wetterereignissen. Auch die Brände im Mittelmeerraum sieht Rahmstorf in einem Zusammenhang mit der Klimakrise. Die Brandursache sei zwar in der Regel durch Menschen veranlasst, Trockenheit und Hitze sorgten aber dafür, dass die Brände ein solches Ausmaß erreichen würden.

Das Interview führte Ann-Kathrin Büüsker, Korrespondentin im DLF-Hauptstadtstudio.

Interview zum Nachhören

Das Interview kann hier nachgehört werden.

Bildnachweis: Stefan Rahmstorf beim EPP Zagreb Congress in Kroatien, 20-21 November 2019 (CC BY 2.0)

Kevin Anderson: Die Realität hinter den Klimazielen, das „Davos-Cluster“ und die Wende von unten

Kevin Anderson, renommierter britischer Klimawissenschaftler, der an den Universitäten in Manchester und Uppsala forscht, beschreibt im Interview mit David Goeßmann eindrücklich, dass die derzeitigen Klimaziele aller Regierungen eine andere, d. h. unbewohnbare Erde zur Folge haben. Aber er gibt auch Hoffnungsaussichten.

Kein Land bietet nationale Maßnahmen an, um das Paris-Ziel erreichen zu können, sagt Kevin Anderson. Zugleich geben die Regierungen wie beim Klimagipfel in Glasgow (COP26) weiter vor, die Temperatur unter 2 Grad Celsius halten zu wollen. Dafür müssten die Industriestaaten jedoch bis spätestens 2035 dekarbonisiert sein, was sie aber nicht planen. Zudem seien Emissionsszenarios, die den Eindruck erwecken, als ob das 2-Grad-Ziel haltbar sei, wenn alle Staaten ihre Versprechen einlösen, „extrem irreführend“. Denn darin eingerechnet sind sogenannte „negative Emissionen“. Wir befinden uns tatsächlich auf dem Weg in eine Welt, die 3 bis 4 Grad wärmer sein wird. „Dann werden wir auf einem anderen Planeten leben“. Eine Kursänderung ist technisch weiter möglich, sagt Anderson, sie wird jedoch blockiert. Das mächtige „Davos-Cluster“, eine Gruppe von Spitzenpolitikern, Unternehmensführern und Meinungsmachern, zeigt sich unfähig und nicht gewillt, die notwendigen Veränderungen einzuleiten. Daher muss die Wende von unten, von organisierten Bewegungen und der Zivilgesellschaft kommen.
Das ganze Interview können Sie hier sehen.

Offener Brief an die Rundfunkräte wegen Programmausrichtung

Angesichts der zunehmend katastrophalen Auswirkungen der Klimaerwärmung hält der Runde Tisch Erneuerbare Energien eine Änderung der Programmausrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für notwendig. Er wendet sich deshalb mit dem nachfolgenden offenen Brief, der von zahlreichen Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet unterstützt wird, an die Rundfunkräte.

programmausrichtung klimakrise
hochwasser

An die Rundfunkräte der Bundesrepublik Deutschland

Notwendige Änderung der Programmausrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angesichts zunehmend katastrophaler Auswirkungen der Klimaerwärmung

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit vielen Jahren gibt es kritische Stimmen, die dem öffentlich/rechtlichen Rundfunk vorwerfen, den Klimawandel zu verharmlosen und die Bedeutung der erneuerbaren Energien herunterzuspielen. Über klimabedingte Katastrophen – bis vor Kurzem fernab von Deutschland – wurde zwar berichtet. Die sich daraus ergebende Konsequenz, dass die Energiewende extrem beschleunigt werden muss, wurde jedoch nicht gezogen. Insbesondere wurde nur gelegentlich darüber aufgeklärt, dass das Interesse der fossil-atomaren Energiekonzerne an der Erhaltung ihres Geschäftsmodells den entscheidenden Bremsfaktor beim Ausbau der erneuerbaren Energien darstellt. Es wäre aber nötig, diesen Zusammenhang hervorzuheben, damit die Bevölkerung erkennen kann, dass sie selber aktiv werden muss, wenn eine noch erträgliche Klimazukunft erreicht werden soll. Statt dessen ist die Programmgestaltung in ihrer Gesamtheit so geartet, dass sie Ruhe und Lethargie verbreitet. Für die eingetretenen und zu erwartenden klimabedingten Schäden ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk daher mit verantwortlich.

In seinem aufrüttelnden Buch über fehlenden Klimaschutz „Kurs Klima-Kollaps – das große Versagen der Politik“ bringt David Goeßmann die Rolle der Medien und insbesondere des von der Bevölkerung finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf den Begriff „Tauchstation“. Zitate aus seinem Buch:
„Was ist mit den öffentlich-rechtlichen Sendern, die finanziert werden von den Gebühren der Bürger, nicht vom Bundesverband der deutschen Industrie (BDI)? … Warum schlug niemand Alarm?“ (S. 17f), „Auch Talkshows und Presseclubs in den öffentlich-rechtlichen Sendern gingen an dem Thema stumm vorbei. Man stelle sich vor, die Medien hätten in der Coronakrise ähnlich reagiert und sich Augen, Ohren sowie Mund förmlich zugehalten.“ (S. 147)

Die jüngste und öffentlich breit wahrgenommene Kritikaktion wurde von der Initiative „KLIMA° vor acht“ organisiert. Sie fordert, neben „Börse vor acht“, „Wissen vor acht“ und „Wetter vor acht“ über das ungleich wichtigere Thema „Klima“ zu berichten.

Die Argumente, mit denen das abgelehnt wurde, sind bestürzend. Sie demonstrieren, dass bei den oberen Programmgestaltern ein Problembewusstsein bezüglich Klima entweder nicht vorhanden ist oder verdrängt wird.

So meinte der geschäftsführende Redakteur für das ARD-Vorabendprogramm, Christoph Schmidt:
Auch wenn Klimaschutz vielleicht ein hehres und richtiges Ziel ist: Es ist trotzdem erst mal eine parteiische Interessengruppe, und wenn jede Interessengruppe sagt: ‚Ich mache mal meinen Piloten und mache meinen Beitrag so, wie ich ihn mache‘, und wir räumen dann Sendeplätze dafür frei, damit habe ich als unabhängiger Journalist ein großes Problem.“ (Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/primetime-fuer-die-klimakrise-aktivisten-fordern-neues.2907.de.html?dram:article_id=483806)

Für ihn ist Klimaschutz also nur „vielleicht“ ein „richtiges Ziel“. Diejenigen, die dafür eintreten, sind für Herrn Schmidt nichts weiter als eine „parteiische Interessengruppe“, die gegenüber den vielen anderen Interessengruppen keinesfalls bevorzugt werden darf.

Sehr geehrte Damen und Herren in den Rundfunkräten, der Klimawandel bedroht die menschliche Zivilisation und vielleicht höheres Leben auf dem Planeten überhaupt. Wer den Kampf hiergegen für ein „parteiisches Interesse“ hält, dem fehlt jegliches Verständnis.

Dass hier zu wenig berichtet wird, weist KLIMA° vor acht auch auf Basis nackter Zahlen nach: Die Initiative hat die Programmübersichten der öffentlich-rechtlichen Sender analysiert und kommt zu folgendem Schluss: „Die Anzahl der Sendungen zur Klimakrise spiegeln weder die Relevanz noch das Problembewusstsein in der Bevölkerung wieder.
(Quelle: https://klimavoracht.de/programmdaten/).

Die klimawandelbedingte Flutkatastrophe im Ahrtal hat nun aber ein gewisses Aufwachen ausgelöst. Der aufgrund seines Sendegebietes unmittelbar betroffene SWR berichtet bisher in begrüßenswerter Weise. Insbesondere stellt er die Bedeutung des Mottos „Ahrtal wird SolAHRtal“ heraus. Es kann nämlich nicht sein, dass die Grundursache der Katastrophe, die Versorgung durch fossile Energie, für die Zukunft wieder hergestellt wird. Vielmehr muss die Region als Modell für vollständige Versorgung durch erneuerbare Energien aufgebaut werden. Hierfür hat sich eine vorbildliche Zusammenarbeit der betroffenen Menschen mit Wissenschaftlern, Fachfirmen, Behörden und Energieberatungen herausgebildet.

Unsere Bitte, unser Vorschlag an Sie: Die Arbeit des SWR bezüglich Ahrtal sollte allen Sendern in Deutschland kommuniziert werden. Überall im Land sollte auf das Geschehen im Ahrtal aufmerksam gemacht werden. Denn was im Ahrtal passierte, kann jederzeit (fast) überall geschehen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte darauf hinwirken, dass die Bevölkerung und die betroffenen Institutionen unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die Auswirkungen einer nächsten Katastrophe zumindest abzumildern. Beispielsweise kann durch rechtzeitigen Umstieg auf regenerative Wärmeversorgung per Wärmepumpen und Solarthermie eine großflächige Bodenkontamination durch ausgelaufenes Heizöl – wie im Ahrtal geschehen – vermieden werden.

Wir wären dankbar, wenn Sie diese Thematik rasch aufgreifen. Zwecks weiterer Konkretisierung freuen wir uns, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Ihr Ansprechpartner

Jürgen Voskuhl
für den Runden Tisch – Erneuerbare Energien
E-Mail: juergen.voskuhl@energiewende-2030.de
Fon: +49.69.24742919–0
Web: energiewende-2030.de

 

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Unterzeichner:

offener Brief rundfunkrat programmausrichtung
unterzeichner

Zukunft – schaffen wir heute

Am vergangenen Montag, dem 9. August 2021, hat das IPCC den 1. Teil seines 6. Sachstandsbericht veröffentlicht. Dieser Teil trägt den Titel „Climate Change 2021: The Physical Science Basis“. Es geht also darin um die physikalischen Grundlagen zum Klimawandel.

Lesen Sie hier unsere Stellungnahme dazu.

Bild/Quelle: Solarenergieförderverein Deutschland e. V.

Die dramatischen Wetterextreme mit Hochwasserkatastrophen in Deutschland, China, Indien, Afrika und Rekord-Bränden im Mittelmeerraum, in Kanada und im Westen der USA zeigen, dass wir auf Kräfte setzen müssen, die verstanden haben und zukunftsfähig umsteuern wollen!
Wissenschaftlich klar formulierte Fakten – wie im kürzlich veröffentlichten IPCC-Bericht – sind zu beachten und vielfältige Empfehlungen, um die Arten- & Klimakatastrophe noch abzumildern, müssen schnellstmöglich in politische Rahmensetzungen münden und von uns allen gemeinsam umgesetzt werden (wollen).

Klartext im aktuellen IPCC-Bericht/AR6 WGI Report

  • Die Wissenschaft ist sich sicherer denn je: Der Einfluss des Menschen ist eindeutig für die Erwärmung von Atmosphäre, Ozean und Landflächen verantwortlich. Wir Menschen versetzen den Planeten in einen dauerhaft veränderten Zustand.
  • Die Wissenschaftler sind sich einig, dass in naher Zukunft zusätzlich zum CO₂-Ausstoß auch der Ausstoß weiterer Treibhausgase gesenkt werden muss, insbesondere des extrem klimaschädlichen Methans.
  • Im Hier und Jetzt aktiv zu werden ist billiger, als später die Kosten der Untätigkeit beim Klimaschutz zu bezahlen. Die Bundesregierung und Regierungen weltweit müssen aufgefordert werden – wir brauchen transparente Klimaschutzpläne!
  • Jedes Zehntelgrad Erwärmung ist ein Risiko für uns und unsere Erde. Jede Maßnahme zur Begrenzung der Emissionen bringt uns dagegen einen Schritt näher an eine sichere und lebenswerte Zukunft.
  • Schnelle Veränderungen sind nötig, damit die weltweiten Emissionen bis 2030 halbiert werden können. Warten ist keine Option.

Text Kernaussagen/Quelle: Klima-Allianz Deutschland

100% EE bis 2030

Auch wir am bundesweiten „Runden Tisch Erneuerbare Energien“ (RT-EE) wissen seit Jahren, dass der Umbau der Energiewirtschaft auf Erneuerbare Energien „alternativlos“ ist und schnellstmöglich erfolgen muss. Deshalb unterfütterten wir unseren dort am 8. Mai 2020 einstimmig verabschiedeten Leitsatz: „100% EE bis spätestens 2030“ mit kurzen Arbeitspapieren zur Energie-, Wärme- und Verkehrswende. Unsere Empfehlungen – von über 25 dort regelmäßig beratenden Initiativen/NGOs – an die Gesetzgebenden sind zeitnah umsetzbar. Diese unterstützen das gemeinsame Ziel, die Arten- Klimakrise prioritär auf die politische Agenda zu setzen und deren Abmilderung tatkräftig mit umzusetzen, um das Ausmaß von Klima-Katastrophen (aktuell: z. B. die Flutkatastrophe im Landkreis Bad Neuenahr-Ahrweiler mit weit über 150 Todesopfern) abzuschwächen, beziehungsweise auf weitere Klimakatastrophen bestmöglich vorbereitet zu sein.

Wiederaufbau nur erneuerbar und gemeinsam

Dies und der Wiederaufbau gehen nur erneuerbar und gemeinsam. Auf dazu aktuell erfolgte Aktivitäten der am RT-EE engagierten Initiativen/NGOs nehmen wir Bezug. Dabei sind die über Jahrzehnte gewachsene Expertise und Netzwerke ebenso unverzichtbar… wie die Umsetzung wichtiger gesetzlicher Rahmen auch zu nutzen und schnellstmöglich umzusetzen.

Klimaschutz machen statt „weiter so“

Längst schon zeigen NGOs Alternativen auf – einige Beispiele, von denen es viele mehr gibt:

Wiederaufbau nach Flutkatastrophe: Chance zu klimaverträglichen Investitionen nutzen

Die Nutzung fossiler Energien und der damit verbundene CO2-Ausstoß heizt den Klimawandel auch in Deutschland weiter an, obwohl auch hierzulande die Folgen bereits unübersehbar sind. Deshalb muss Klimaschutz beim Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe betroffenen Regionen als sehr wichtiges Ziel im Auge behalten werden. Dies gilt insbesondere für die Wärmeversorgung.

Ein Gastbeitrag von Urban Weber, Ulrike Jordan, Jens Clausen, Stefan Golla, Christoph Gerhards, Peter Klafka

Der aktuelle IPCC-Bericht macht es nochmal deutlich: der Klimawandel ist bereits deutlich sichtbar. Es kommt auf jedes Zehntel-Grad weniger Erderwärmung an, wie dramatisch die Veränderungen werden, auf die wir uns einstellen müssen. Insbesondere durch die Nutzung fossiler Energien und den damit verbundenen CO2-Ausstoß heizt Deutschland weiterhin den Klimawandel an.

Wenn jetzt für den Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe betroffenen Regionen Gelder verteilt werden, ist es daher wichtig, den Klimaschutz als sehr wichtige Ziele im Auge zu behalten.

Die hierzu notwendigen Schritte sind schon länger bekannt. Wir als Scientists for Future haben hierzu im April einen Diskussionsbeitrag veröffentlicht, der in 16 Punkten Orientierung gibt, wie Deutschland schnellstmöglich die CO2-Emissionen im Energiesektor auf nahezu Null senken kann.

Im Wiederaufbau gilt es  vor allem bei der Wärmeversorgung (unser Orientierungspunkt 8) durch geeignete Fördermaßnahmen und zielgerichtete Beratungsangebote einen Wandel zu fossil-freien Heizsystemen zu fördern, da nur so die Klimaziele erreichbar sind.

Eine entscheidende Schnittstelle sind die kommunalen Akteure, die finanziell und durch fachliche Beratung unterstützt werden sollten (möglicherweise durch Institutionen wie z.B. die KEA-BW). Eine kommunale Wärmeplanung kann als Instrument eingesetzt werden, das Ziel einer Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger effizient und lokal angepasst zu erreichen. Es geht nicht nur darum, die Wasser- und Stromversorgung neu zu planen, sondern insbesondere auch die Wärmeversorgung. Bei der kommunalen Wärmeplanung werden sämtliche Akteure, also Stadtplanung, Wärmeversorger, Ingenieurbüros, Installateure, Gebäudeeigentümer:innen usw. beteiligt. In dicht bebauten Orts- und Stadtzentren können Wärmenetze, zentrale Wärmepumpen, ggf auch große Solarthermieanlagen und Wärmespeicher eine große Rolle spielen. Lokale Wärmequellen können optimal eingebunden werden (hierzu zählen z.B. Fließgewässer oder industrielle Abwärme). In Einzelhäusern können überwiegend Wärmepumpen die Versorgung gewährleisten. Hierzu gibt es bereits attraktive Förderprogramme, zusätzliche Nothilfeprogramme könnten hier die individuelle Entscheidung gegen eine neue Öl- oder Gasheizung erleichtern. Auch Dämmmaßnahmen sind wichtig.

Insgesamt sollte die finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau an dem parteiübergreifend geteilten Ziel einer Treibhausgasneutralität ausgerichtet werden. Beim Wiederaufbau sind sinnvolle Modernisierungen mit ohnehin notwendigen Instandsetzungen sinnvoll kombinierbar, beispielsweise:

  • Wenn ein Fußboden erneuert werden muss, kann eine Fußbodenheizung eingebaut werden, die einen effizienteren Einsatz von Wärmepumpen ermöglicht.
  • Wenn die Fassade erneuert werden muss, kann diese nach höchstem Standard gedämmt werden.
  • Für Dämmung, Instandsetzung und Straßenbau können Baustoffe verwendet werden, die in ihrer Herstellung und Entsorgung möglichst keine THG verursachen und keine Schadstoffe zurücklassen.
  • Wenn durch Sanierungsmaßnahmen Gerüste aufgebaut werden müssen, kann auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage direkt mit installiert werden.
  • Wenn Bahngleise instand gesetzt werden müssen, können nicht-elektrifizierte Strecken elektrifiziert werden.
  • Wo eine neue Heizung nötig ist, kann der Umstieg auf eine Wärmepumpe bzw. in Quartieren eine Versorgung durch ein Nahwärmenetz erfolgen. So ist nicht nur eine klimaverträglichere Wärmeversorgung möglich, sondern die Versicherungsproblematik von Ölheizungen in Überflutungsgebieten durch die drohende Wasserverseuchung bei weiteren Fluten wird ebenfalls vermieden.
  • Im optimalen Fall kann auf die Instandsetzung von Erdgasinfrastruktur verzichtet werden.
  • Wenn Stromnetze instand gesetzt werden, können diese schon auf die höheren Leistungen z.B. für den Einsatz von Elektromobilität und Wärmepumpen ausgelegt werden.
  • Beim Wiederaufbau von Parkplätzen oder Straßenlaternen kann Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität mit aufgebaut werden.

In jedem Fall sollten finanzielle Programme zur Unterstützung des Wiederaufbaus so ausgestaltet werden, dass Investitionen in eine klimaverträgliche Energieerzeugung und Verwendung den Handelnden jetzt direkt möglich sind.

Das obige Statement stammt von einigen der Autor:innen des Diskussionsbeitrages der Scientist for Future “Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte”. https://zenodo.org/record/4409334

Das Titelbild des Beitrags wurde freundlicherweise von der Bonner Journalistin Sandra Prüfer zur Verfügung gestellt.

Flutkatastrophe: Wiederaufbau ja – und zwar erneuerbar!

Zerstörung und Verluste, die die Flutkatastrophe in Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden verursacht hat, sind verheerend. Die Schäden zeigen uns, dass die Klimakrise viel näher ist, als wir uns das bisher vorstellen konnten.
Was muss sich an der Energieversorgung und dem Energiesystem ändern? Wie können wir alle dazu beitragen?

Wir als Nichtbetroffene können nur ahnen, was Menschen empfinden, deren Freunde oder Bekannte plötzlich aus dem Leben gerissen wurden oder sogar bislang vermisst sind. Ganz Viele haben ihr Zuhause und ihr komplettes Hab und Gut verloren. Auch Haustiere sind ertrunken. Es ist schrecklich und furchtbar traurig.
Wir sprechen insbesondere den trauernden Familien unser Mitgefühl aus.

Hoffnungsschimmer bringt die Gemeinschaftsbildung, die in der Katastrophe stattgefunden hat. Bevor Hilfskräfte anrückten, teilten Nachbarn ihren letzten Kaffee miteinander oder kümmerten sich um die Rollstuhlfahrerin von nebenan.

Staatliche Ebenen sind ihrer Fürsorgepflicht offenbar nur mangelhaft gerecht geworden. Da ist Luft nach oben. Ganz großer Dank und Respekt gebührt allen, die beim Bergen und Aufräumen tatkräftig mit anpacken – insbesondere den Hilfskräften, die bis zur Erschöpfung im Dauereinsatz waren und sind und ihr eigenes Leben riskierten, um Menschen zu retten. Dank auch allen Helfer, die spontan aus dem ganzen Land anreisten, um zu helfen, mit anzupacken und zu spenden.

Ist „alles so wie früher“ wirklich sinnvoll?

Mit ein wenig zeitlichem Abstand zur Katastrophe rückt der Wiederaufbau in den Fokus.

Nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Versicherungswirtschaft sagt ganz klar, dass die Häufigkeit und Intensität derartiger Unwetter in Deutschland bereits zugenommen hat und eine weitere Zunahme zu erwarten ist.
Also: eine derartige Flutkatastrophe kann sich jederzeit wiederholen und auch noch schlimmere Auswirkungen haben. Wenn in den Medien von einem „Jahrhunderthochwasser“ gesprochen wird, kann dieses „Jahrhundert“ schon morgen vorbei sein!

Bei Reparaturen und Neuaufbau ist diese Zukunftsaussicht unbedingt zu berücksichtigen!

Das konventionelle Energiesystem hat in zweifacher Hinsicht versagt

  • 80% der Treibhausgase stammen aus der fossilen Energieerzeugung. Sie ist also hauptverantwortlich für die Klimaerhitzung und damit Grundverursacher der aktuellen Katastrophe.
  • Die konventionelle Energieversorgung ist zentralistisch strukturiert, das System wurde bei der Flutkatastrophe schwer beschädigt. Dieselgeneratoren sind auch nur ein Notbehelf.
    Tausende von Kunden warten also nun hilflos auf die Wiederherstellung der Energieversorgung, ohne zu wissen, wie lange dies dauern wird.

Erneuerbare Energien haben erhebliche Vorteile

  • Erneuerbare Energien erzeugen keine Treibhausgase.
  • Das auf erneuerbare Energien basierende neuen Energiesystem besitzt eine dezentrale Struktur.
    Das Haus, das eine PV-Anlage auf dem Dach und Batterien mit Laderegler und Wechselrichter auf dem Dachboden hat, ist unabhängig: Solange nicht das ganze Gebäude zusammenbricht, ist die Stromversorgung gewährleistet.
  • Erneuerbare Energien sind resilienter: Selbst der extreme Regen hat PV-Anlagen nicht beschädigt.

Was jetzt zu tun ist

Aus dem Gesagten ergeben sich unsere nachfolgenden Empfehlungen für die betroffenen Menschen vor Ort.
Nichtbetroffene bitten wir, unsere Forderungen zu unterstützen:

  • Hausbesitzer können eigenaktiv werden und sich unabhängig machen, statt auf die Wiederherstellung der zentralistischen Versorgung zu warten – im Interesse des Klimas und der eigenen Sicherheit!
    Die solidarische Zusammenarbeit in der schlimmsten Not und jetzt beim Aufräumen kann sich verstetigen durch gemeinsame nachbarschaftliche Stromversorgung durch erneuerbare Energien.
    Eine Petition im Internet fordert genau das. Unterstützen Sie die Petition!
  • Ebenso wie das konventionelle zentralistische Stromsystem hat sich der Staat als zuverlässiger Katastrophenschützer disqualifiziert. Offenbar ist – in Zeiten des Klimawandels – auf die bisherigen Strukturen kein Verlass mehr. Eigeninitiative und Nachbarschaftshilfe werden umso wichtiger!
  • Die Menschen in den Katastrophengebieten müssen jetzt fachlich beraten werden, wie die dezentrale Versorgung mit erneuerbarem Strom, und mit Wärme durch Wärmepumpen und Solarthermie praktisch aufzubauen ist. Hierfür sind die Energieagenturen der beiden am schwersten betroffenen Länder prädestiniert, also die Energieagentur Rheinland-Pfalz und zurzeit auch noch die EnergieAgentur.NRW.
    Die Landesregierung in NRW hat beschlossen, die EnergieAgentur.NRW zum 31.12.2021 aufzulösen. Gerade jetzt, nach der verheerenden Flutkatastrophe (die sich jederzeit wiederholen kann!), sehen wir ganz deutlich, wie wichtig diese Organisation ist. Denn die Menschen, die Kommunal-Verwaltungen und die Wirtschaft in den Katastrophengebieten brauchen dringend eine kompetente Energieberatung.

 

Die Klimakrise: Grundlagen, Folgen und warum wir jetzt handeln müssen

Warum wandelt sich das Klima? Warum spricht man von einer Krise? Und inwiefern ist die Menschheit dafür verantwortlich? Warum braucht die Welt eigentlich 100% Erneuerbare Energien? Und warum muss es schnell gehen?
Dieser Beitrag enthält Links und Erläuterungen zu den Grundlagen und Auswirkungen der Klimakrise. Er erklärt, warum wir fossile Energieträger so schnell wie möglich eliminieren müssen und zeigt auf, dass die Bundesregierung zu wenig gegen die Klimakrise unternimmt.


Die ganze Welt ist bemüht, auf fossile Energieträger zu verzichten. Aber warum eigentlich?
Das versuchen wir in diesem Beitrag zu beantworten, deer sich in folgende Abschnitte gliedert:

Erderhitzung: Die Grundlagen der Klimakrise

Um dies zu verstehen, müssen wir beim Treibhauseffekt beginnen. Durch die Verbrennung fossiler Energieträger verbleiben immer mehr Treibhausgase in der Erdatmosphäre. Die Erde erhitzt sich zunehmend, insbesondere die Ozeane!
Wer etwas tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem sei die Seite klimafakten.de empfohlen. Die Seite wird von Wissenschaftsjournalisten betrieben, die von einem wissenschaftlichen Beirat (bestehend aus Kommunikations- und Klimawissenschaftlern) beraten werden.
Gemeinsam mit führenden Wissenschaftsinstituten in Deutschland (Deutsches Klima-Konsortium, Deutsche Meteorologische Gesellschaft, Deutscher Wetterdienst, Extremwetterkongress Hamburg, Helmholtz-Klima-Initiative) hat das Team die Basisfakten zum Klimawandel, die in der Wissenschaft unumstritten sind zusammengestellt.

In dem Beitrag werden auch die weltweiten Folgen der Erderhitzung beschrieben:

  • Eisschmelze und Meeresspiegelanstieg
    Wasser dehnt sich bei Erwärmung aus. Gleichzeitig schmelzen infolge der Erderwärmung die polaren Eiskappen und Gletscher.
  • Extreme Wetterereignisse, Verschiebung der Niederschlagsmuster
    Heftige Regenfälle und andere extreme Wetterereignisse werden immer häufiger.
  • Extreme Hitzewellen und Dürren
    In einigen Regionen kommt es häufiger zu Hitzewellen, Dürren und Waldbränden.

Der Abschnitt Klimawandel in Deutschland geht dabei insbesondere auf die Auswirkungen ein, mit denen wir hier bei uns rechnen müssen.

Die zahlreichen Querverweise zu wissenschaftlichen Studien und Veröffentlichungen des IPCC (Weltklimarat) runden den Beitrag ab.

Der Zustand des globalen Klimas heute

Wie steht es heute um unser Klima? Die WMO (World Meterological Organization, Weltorganisation für Meteorologie) bietet dazu jährlich einen globalen Klimazustandsbericht (engl.) an. Neben der Web-gerechten Darstellung stehen die nackten Zahlen auch als PDF-Datei zum Download zur Verfügung.

Und wie sieht das in Deutschland aus?

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) bietet im Rahmen seines wissenschaftsjournalistischen Formats Quarks unter anderem ein Themenspecial zum Klimawandel an. Im Rahmen des SocialMedia-Auftritts kann man dazu folgendes lesen:

Die Klimakrise und das Übereinkommen von Paris

Im Dezember 2015 wurde auf der Pariser Klimakonferenz (COP21) das Übereinkommen von Paris, die erste umfassende und rechtsverbindliche weltweite Klimaschutzvereinbarung geschlossen.

Im Übereinkommen von Paris wird ein globaler Rahmen festgelegt, mit dem die Welt einem gefährlichen Wandel des Klimas entgegenwirken kann. Dafür soll die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau deutlich unter 2°C gehalten werden, und es sollen weitere Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen. Außerdem soll die Fähigkeit der Länder zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels gestärkt werden und die Länder in ihren Bemühungen unterstützt werden.

Unterm Strich geht es also darum, fossile Energieträger durch umweltfreundliche, erneuerbare Energien zu ersetzen. Aber wie schnell muss das passieren?

Zielvereinbarung: Das Restbudget

Damit die in Paris vereinbarten Grenzen der Erwärmung eingehalten werden, dürfen nach Berechnungen des Weltklimarats IPCC (Sonderbericht „1,5 Grad globale Erwärmung“, 2018) weltweit ab 2018 nur noch 580 Gigatonnen (Gt) CO₂ insgesamt emittiert werden.

Der von der Bundesregierung eingesetzte Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat in seinem im Mai 2020 veröffentlichten Umweltgutachten errechnet, dass für Deutschland ab dem Jahr 2020 nur ein Restbudget von 4,2 Gt CO₂ an Emissionen verbleibt, wenn man die weltweit zulässigen Emissionen gleichmäßig auf die Weltbevölkerung verteilt. Würde man berücksichtigen, dass Deutschland in der Vergangenheit schon weit mehr CO₂ als andere Staaten emittiert hat, dann stünden Deutschland gar keine Emissionen mehr zu.

Bei unveränderten CO₂-Emissionen von jährlich 0,7 Gt ist, so der SRU, das deutsche Emissionsbudget bereits im Jahr 2026 aufgebraucht.
Wer selber ein wenig mit CO₂-Budgets herumspielen möchte, dem sei die Website #showyourbudgets empfohlen. Dort kann man die Pfade zu Netto-Null-Emissionen für beliebige Regionen der Welt und verschiedenen CO₂-Budgets ermitteln.

showyourbudgets in der Klimakrise: Restbudget Deutschland

Emissionen in Deutschland

Das Budget ist also bekannt. Aber woher wissen wir, wieviel wir davon ausgeben? Also: welche Emissionen fallen in Deutschland an und wo entstehen diese? Das Umweltbundesamt ist in Sachen Treibhausgasemissionen die offizielle Anlaufstelle und wichtiger Ansprechpartner in Deutschland. Auf ihrer Website stellt die Behörde entsprechende Daten bereit.

In der Grafik erkennt man auf Anhieb, das die Energiewirtschaft der größte Verursacher ist. Der Umweltrat empfiehlt der Bundesregierung diesbezüglich folgende Maßnahmen:

  • Zügigen Ausbau erneuerbarer Energien, um aus den Fossilenergien schnell genug aussteigen zu können
  • Verbrauchssenkung und Effizienzerhöhung
  • Verzicht auf Atomenergie
  • Verzicht auf CO₂-Abscheidung bei Kraftwerken (CCS).

Die Bundesregierung tut zu wenig gegen die Klimakrise

Die Klimapolitik der Bundesregierung kommt bei den Umweltsachverständigen schlecht weg: Die deutschen Klimaschutzziele reichen nicht aus, um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen“: Einerseits sind die Klimaschutzziele zu wenig ambitioniert, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen („Ambitionslücke“). Und selbst die wenig ambitionierten Ziele werden verfehlt („Umsetzungslücke“).

Klimakrise: Schematische Darstellung der Ambitions- und Umsetzungslücke in der Klimapolitik

Die Bundesregierung hat zu geringe Ziele für die Emissionsverminderung (Ambitionslücke), die sie noch dazu nicht einhält (Umsetzungslücke), hier in schematischer Darstellung der Sachverständigen für Umweltfragen.

Klimakrise in Zahlen: Tatsächliche und projizierte Treibhausgasemissionen Deutschlands

Der SRU empfiehlt, die Klimapolitik künftig mit den Emissionsbudgets zur Erreichung der Pariser Klimaziele zu verknüpfen und aufgrund von jährlichen Sektorbudgets regelmäßig zu überprüfen.

Die Sachverständigen empfehlen: „Die bestehende Umsetzungslücke zwischen bestehenden Klimazielen und Emissionsentwicklung sollten zügig geschlossen werden. Und das Ambitionsniveau der deutschen Klimaschutzziele sollte neu beurteilt und erhöht werden, um es an die aus dem Pariser Klimaschutzabkommen folgenden Notwendigkeiten anzupassen“.
Darin sind sich die Umweltsachverständigen und die Klimaaktivisten einig.

Wir haben nur noch 10 Jahre Zeit!

Der schwedische Resizilienzforscher Johan Rockström erklärt in seinem beeindruckenden und sehenswerten TED-Vortrag 10 Jahre, um die Zukunft der Menschheit zu verändern – oder den Planeten zu destabilisieren (engl.) sehr anschaulich, wie es um die „tipping points“ steht. Es ist höchste Zeit, aktiv zu werden!
Rockström ist vor allem für seine Arbeiten zu den planetaren Grenzen bekannt ist und zählt zu den meistzitierten Forschern der Welt. Seit September 2018 leitet Rockström zusammen mit Ottmar Edenhofer das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Eine deutschsprachiges Transkript steht hier zur Verfügung.

Bedrohungen für die Biosphäre

Rockström ist nicht der einzige Wissenschaftler, der eindringlich warnt: in der Zeitschrift Frontiers in Conservation Science erschien im Januar ein Beitrag, in dem 17 Wissenschaftlern aus den USA, Australien und Mexiko auf die Gefahren menschlicher Ignoranz und Untätigkeit hinweisen. Dem Planeten Erde droht in Folge der Erderhitzung und des Massenaussterbens von Tier- und Pflanzenarten eine „grausige“ Zukunft. Sogar das Überleben der Menschheit stehe auf dem Spiel.

Das Ausmaß der Bedrohungen für die Biosphäre und alle ihre Lebensformen – einschließlich der Menschheit – ist so groß, dass es sogar für gut informierte Experten schwer zu begreifen ist.

Die Zeitschrift geo hat eine sehr gute Zusammenfassung des Beitrags geschrieben. Hier geht es zum Original-Beitrag (engl.).

Fazit

An dieser Stelle seien die fünf Kerninfos zum Klimawandel genannt, wie sie auch auf klimafakten.de zu finden sind:

1. Er ist real.

2. Wir sind die Ursache.

3. Er ist gefährlich.

4. Die Fachleute sind sich einig.

5. Wir können noch etwas tun.

Passiert ist bisher leider wenig. Zu wenig.

Es ist Zeit zu handeln. Jetzt!