Erst die Milliarden für fossile Energien machen den Krieg Russlands gegen die Ukraine möglich

Am Run­den Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien mit­ar­bei­ten­de Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen haben bereits Bei­trä­ge zum Krieg in der Ukrai­ne und des­sen Finan­zie­rung durch den Import fos­si­ler Ener­gie­trä­ger ver­fasst. Sie erläu­tern die not­wen­di­gen Schrit­te, die die Bun­des­re­gie­rung jetzt ergrei­fen muss, um die Abhän­gig­keit und den Import fos­si­ler Ener­gie­trä­ger zu stop­pen.
Die­ser Bei­trag ver­mit­telt einen Überblick.

Außer­dem zei­gen wir Mög­lich­kei­ten auf, wie Ein­zel­per­so­nen und NGOs die Men­schen in der Ukrai­ne mit erneu­er­ba­ren Ener­gien unter­stüt­zen und zum Been­den des Krie­ges bei­tra­gen können.

Hans-Josef Fell weist auf die star­ke Abhän­gig­keit von Indus­trie­na­tio­nen wie Deutsch­land in Bezug auf fos­si­le Ener­gie­trä­ger und das sich dar­aus erge­ben­de Dilem­ma der EU hin: Die wirk­sams­te Sank­ti­on gegen Russ­land wäre ein Ein­fuhr­stopp von rus­si­schem Öl & Gas — der aber in der EU zu wirt­schaft­li­chen Nöten und even­tu­ell sogar Volks­auf­stän­den füh­ren würde.

Ähn­lich argu­men­tiert der Solar­ener­gie-För­der­ver­ein Deutsch­land e.V. (SFV) — und zeigt eine Lösung auf, näm­lich den mas­si­ven Aus­bau der über­all ver­füg­ba­ren sau­be­ren Ener­gie­trä­ger, Son­ne und Wind.

Der Ver­ein Euro­pa­ei­sche Ener­gie­wen­de Com­mu­ni­ty e.V. ver­gleicht den not­wen­di­gen Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien mit dem 1961 gestar­te­ten „Man on the moon“-Projekt von John F. Ken­ne­dy.
Ken­ne­dy brach­te Unter­neh­men, Poli­tik und Gesell­schaft zusam­men, um das gemein­sa­me Ziel (sei­ner­zeit die Mond­lan­dung) in mög­lichst kur­zer Zeit zu erreichen.

Was können wir tun?

EUROSOLAR und die Solar­sze­ne in Ber­lin wol­len die Men­schen in der Ukrai­ne mit mobi­len Solar­la­de­ge­rä­ten ver­sor­gen. Das ist hilf­reich, falls ihnen in den bela­ger­ten Städ­ten der Strom abge­dreht wird oder sie unter­wegs sind. Die Orga­ni­sa­ti­on WeChan­ge hat Kon­tak­te in die Ukrai­ne und kann die Solar­la­de­ge­rä­te direkt zu die­sen Leu­ten brin­gen. Hier gibt es aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen zur Akti­on sowie ein Spen­den­kon­to.

Das Ukrai­ni­an Cli­ma­te Net­work und ande­re ukrai­ni­sche Orga­ni­sa­tio­nen im Umfeld von Kli­ma­schutz und erneu­er­ba­ren Ener­gien rufen zu End glo­bal fos­sil fuel addic­tion that feeds Putin’s war machi­ne auf (engl.).

Die vier wichtigsten Punkte des Podcasts

Jani­ne O’Ke­ef­fe ist Mit­be­grün­de­rin der inter­na­tio­na­len Fri­days-for-Future-Bewe­gung und steht in enger Ver­bin­dung zu Kli­ma-Akti­vis­tin Gre­ta Thun­berg. Sie  fasst für den Run­den Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien die aus ihrer Sicht vier wich­tigs­ten Punk­te des Inter­views von Gior­da­no mit Gre­ta zusammen.

Gegen Ende der COP26, also der 26. Welt­kli­ma­kon­fe­renz in Glas­gow, hat die Kli­ma­ak­ti­vis­tin Gre­ta Thun­berg dem aus­tra­li­schen Polit­sa­ti­re-Kanal The Juice Media ein beein­dru­cken­des Inter­view gege­ben, wel­ches in Form eines Pod­casts ver­öf­fent­licht wur­de.
Der Run­de Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien hat den Inhalt tran­skri­biert und stellt auf sei­ner Sei­te die deut­sche Ver­si­on des Inter­views zur Verfügung.

In die­sem Bei­trag fast Jani­ne O’Ke­ef­fe, die eng mit Gre­ta Thun­berg zusam­men­ar­bei­tet, die aus ihrer Sicht vier wich­tigs­ten Punk­te des Inter­views zusammen.

1. Das Böse und wie es definiert ist

Gre­ta spricht in 2019 über den Pro­zess, etwas Schlech­tes für die Umwelt zu tun und die­se Taten fort­ge­setzt zu wie­der­ho­len, obwohl die­se als schlecht bekannt sind. Die­sen Gedan­ken­gang greift Gre­ta in der COP-Rede 2021 erneut auf: „… lasst uns Klar­text reden: Sie sind bereits wach und sie wis­sen ganz genau, was sie tun!“.

Ich stim­me die­ser Defi­ni­ti­on von „bösen“ Hand­lun­gen zu:

Irren ist mensch­lich, behar­ren ist teuflisch!

Geor­ges Canguilhem

2. Aktivismus ist ein gesunder Weg, um Klimaangst zu reduzieren

Jeder intel­li­gen­te Mensch, den ich ken­ne und der den Kli­ma­kol­laps ver­steht, hat Kli­ma­angst. Akti­vis­mus ist eine groß­ar­ti­ge Mög­lich­keit, eine Gemein­schaft auf­zu­bau­en und Ver­än­de­run­gen zum Bes­se­ren ein­zu­for­dern. Oft­mals führt sie zum Aus­druck öffent­li­cher Wut und das ist weit­aus erfolg­rei­cher als die Ver­in­ner­li­chung von Angst, die oft zu Depres­sio­nen führt.

3. Hoffnung ist in uns allen

Hoff­nung ist in uns allen und wenn sie auf ech­ter Ehr­lich­keit basiert, hat sie eine viel bes­se­re Grund­la­ge. Ehr­lich­keit und respekt­vol­le Bezie­hun­gen wir­ken zusam­men und pas­sen zu die­ser Dis­kus­si­on über die „See­le“.
Das Buch Reinven­ting Orga­niz­a­ti­ons von Fre­de­ric Laloux dis­ku­tiert Par­ker Pal­mers Beschrei­bung unse­rer „See­le“. Die­se Beschrei­bung zeigt, wie er Hoff­nung als ein Merk­mal unse­rer „See­le“ sieht.
Laloux zitiert Par­ker Pal­mer (Reinven­ting Orga­niz­a­ti­ons, Sei­te 147): „Wel­che Art von Raum bie­tet uns die bes­te Chan­ce, das wah­re See­len­le­ben zu erken­nen und ihm zu fol­gen? … Mei­ne Ant­wort stützt sich auf die ein­zi­ge mir bekann­te Meta­pher, die das Wesen der See­le wider­spie­gelt und gleich­zei­tig ihr Geheim­nis ehrt: Die See­le ist wie ein wil­des Tier …Lei­der bedeu­tet Gemein­schaft in unse­rer Kul­tur zu oft, dass eine Grup­pe von Men­schen zusam­men durch den Wald rast und die See­le ver­scheucht. … Unter die­sen Bedin­gun­gen kön­nen Intel­lekt, Emo­tio­nen, Wil­le und Ego gedei­hen, aber nicht die See­le; wir ver­scheu­chen all die gefühl­vol­len Din­ge, wie respekt­vol­le Bezie­hun­gen, guten Wil­len und Hoff­nung.

4. Demokratie, Gerechtigkeit und indigene Kulturen

Schließ­lich führt die Dis­kus­si­on zu Demo­kra­tie, Gerech­tig­keit und indi­ge­nen Kul­tu­ren, die an vor­ders­ter Front unse­rer Kli­ma- und öko­lo­gi­schen Kri­sen ste­hen.
Ers­tens bewah­ren die­se Kul­tu­ren mehr als 80 % der ver­blei­ben­den natür­li­chen Lebens­räu­me und sind daher in vie­ler­lei Hin­sicht eine Gren­ze für die­se Kri­sen.
Sie sind natur­ver­bun­de­ner und sind sich der Kri­sen bewusst, die wir und unse­re Sys­te­me zu igno­rie­ren gelernt haben.
Zwei­tens sind sie seit Jahr­hun­der­ten dem Kolo­nia­lis­mus aus­ge­setzt und kön­nen uns viel über den Wider­stand gegen die domi­nan­te zen­tra­li­sier­te Kul­tur fos­si­ler Brenn­stof­fe leh­ren, die wir „akzep­tiert“ haben.
Schließ­lich haben sie oft Prak­ti­ken, die wert­voll sind, um ers­tens Gerech­tig­keit über län­ge­re Zeit­räu­me zu erhal­ten und zwei­tens die Natur zu ver­ste­hen und zu lesen: „Bis wir WIRKLICH erken­nen, dass wir ALLE mit­ein­an­der ver­bun­den sind, haben wir kei­ne Chan­ce. “ ist eine Denk­wei­se, die wir oft ver­ges­sen haben.

Die­ses Den­ken ist der Schlüs­sel zu „Lokal han­deln. Glo­bal den­ken!“ und ist in vie­len Wind- und Solar­ge­mein­schaf­ten in Deutsch­land zu sehen.

Kontakt zur Autorin

Jani­ne beant­wor­tet ger­ne wei­te­re Fra­gen zum The­ma. Eine Kon­takt­auf­nah­me ist via Twit­ter und per E‑Mail möglich. 

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