Greta Thunberg zur COP26 und Klimagerechtigkeit

Gre­ta Thun­berg spricht über die Bedeu­tung von Ehr­lich­keit beim Kampf gegen die Kli­ma­kri­se, ihre Erfah­run­gen mit der COP26, Kli­ma­ge­rech­tig­keit und Gleich­heit. Außer­dem hält sie eini­ge gute Rat­schlä­ge für Kin­der und Jugend­li­che bereit, die Angst vor der Kli­ma­kri­se haben.
Neben dem eng­lisch­spra­chi­gen Ori­gi­nal-Video fin­den Sie auf die­ser Sei­te auch das Inter­view in deut­scher Sprache. 

The Juice Media (TJM) ist ein aus­tra­li­sches Unter­neh­men, das poli­ti­sche Sati­re pro­du­ziert. Es ist bekannt für die Inter­net­se­rie «Honest Government Ads» , die als Sati­re „Wer­bung“ der aus­tra­li­schen Regie­rung zeigt. Jedes Video greift dabei ein aktu­el­les sozia­les oder poli­ti­sches The­ma auf und zeigt die mög­li­chen Fol­gen der Haltung/Politik der Regie­rung zu die­sem Thema.

Nach­dem TJM auch die US-Regie­rung und zuletzt die Kli­ma­kri­se the­ma­ti­siert hat, sind TJM und die Vide­os inzwi­schen welt­weit bekannt.

In Pod­casts zu den Vide­os dis­ku­tiert der Grün­der von TJM, Gior­da­no Nan­ni, das jewei­li­ge The­ma mit einem Exper­ten aus dem Bereich. 

Im Pod­cast 26, der hier als Video zur Ver­fü­gung steht (engl., mit engl. Unter­ti­teln), spricht Gior­da­no mit Gre­ta Thun­berg über die Bedeu­tung von Ehr­lich­keit im Kampf für ech­te Kli­ma­schutz­maß­nah­men, ihre Erfah­run­gen mit der COP26, Kli­ma­ge­rech­tig­keit, Gleich­heit und ihre Rat­schlä­ge für Eltern und Kin­der, die Angst vor der Kli­ma­kri­se haben.

Jani­ne O’Ke­ef­fe ist Mit­be­grün­de­rin der inter­na­tio­na­len Fri­days-for-Future-Bewe­gung und steht in enger Ver­bin­dung zu Kli­ma-Akti­vis­tin Gre­ta Thun­berg. Sie  fasst für den Run­den Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien die aus ihrer Sicht vier wich­tigs­ten Punk­te des Inter­views von Gior­da­no mit Gre­ta zusam­men.
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Das Interview auf Deutsch

Ein klei­nes Team vom Run­den Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien hat das Inter­view über­setzt und prä­sen­tiert nach­fol­gend die deutsch­spra­chi­ge Fassung.

Gior­da­no: Hal­lo zusam­men, hier ist Gior­da­no von The Juice Media!
Will­kom­men zurück zum The Juice Media-Pod­cast, der die Serie Honest Government Ad beglei­tet.
Die­se Fol­ge des Pod­casts wur­de auf dem Land der Wurund­je­ri [Anm.: ein Abori­gi­nes-Stamm in Aus­tra­li­en] auf­ge­nom­men und ist die Beglei­tung zu unse­rer neu­es­ten „Honest Government Ad“ zum The­ma „Net­to-Null bis 2050“:

Video­ton: Hal­lo, ich bin von der Regie­rung und brin­ge Sie auf den neu­es­ten Stand, wie wir mit der Kli­ma­kri­se umge­hen. Wir wis­sen, dass Sie alle dar­auf zäh­len, dass wir die­ses Pro­blem lösen, damit die Mensch­heit wei­ter­hin ihre Lieb­lings­be­schäf­ti­gung genie­ßen und auf die­sem Pla­ne­ten leben kann, aber wir haben erkannt, dass wir das Pro­blem sind. Wir sor­gen dafür, dass wir alle sterben!

Gior­da­no: Als ich Gre­ta Thun­berg sagen hör­te, sie wol­le, dass die Regie­run­gen in Bezug auf die Kli­ma­kri­se ehr­lich sind, hat­te ich so etwas wie eine klei­ne Erleuch­tung: „Hey, ich mache die­se Serie mit dem Titel «Honest Government Ads», viel­leicht kann ich Gre­ta hier hel­fen.“
Also habe ich die­se Fol­ge von Honest Government Ad geschrie­ben und ich den­ke, es könn­te das wich­tigs­te Video sein, das wir bis­her gemacht haben. Weil es den Men­schen hilft, die Logik zu ver­ste­hen, nach der „Net­to-Null bis 2050“, die Lösung, die sich die füh­ren­den Poli­ti­ker der Welt für die Kli­ma­kri­se aus­ge­dacht haben, tat­säch­lich als Ersatz für Ehr­lich­keit fun­gie­ren kann und so dazu bei­trägt, kata­stro­pha­le Ver­zö­ge­run­gen bei der Ergrei­fung ernst­haf­ter Kli­ma­schutz­maß­nah­men zu recht­fer­ti­gen.
Ich habe Gre­ta auch gefragt, ob sie einem Gast­auf­tritt in dem Video zustim­men wür­de, was sie bejahte.

Gre­ta: „Geneh­migt von der Abtei­lung für blah blah blah“.

Gior­da­no: Und dann schien es nur logisch, sie zu fra­gen, ob sie mein Gast im Pod­cast sein wür­de, da sie die­sen Honest Government Ad inspi­rier­te, was sie auch bejah­te. Und des­halb ist mein Gast im heu­ti­gen Pod­cast Gre­ta Thun­berg.
Gre­ta muss man nicht vor­stel­len, aber für die­je­ni­gen, die es nicht wis­sen: Im Alter von 15 Jah­ren fing sie an, die Schu­le zu bestrei­ken, um stär­ke­re Kli­ma­schutz­maß­nah­men zu for­dern. Was Mil­lio­nen von jun­gen Men­schen welt­weit dazu inspi­rier­te, sich ihr anzu­schlie­ßen, was zu den Schul­streiks für das Kli­ma und der Fri­days-for-Future-Bewe­gun­gen wur­de.
Mit ihren kraft­vol­len, direk­ten Reden hat sie den füh­ren­den Poli­ti­kern der Welt von Davos bis New York in den Hin­tern getre­ten und ist zu einer der bekann­tes­ten Per­sön­lich­kei­ten der Welt gewor­den.
Ihre zahl­rei­chen Aus­zeich­nun­gen, dar­un­ter jüngs­te „Per­son des Jah­res“ des Time Maga­zi­ne und ein Ein­trag in die For­bes-Lis­te der 100 mäch­tigs­ten Frau­en der Welt sowie meh­re­re Nomi­nie­run­gen für den Frie­dens­no­bel­preis haben sie nicht davon abge­hal­ten, ein wun­der­ba­rer boden­stän­di­ger Mensch zu blei­ben, der immer noch jeden Frei­tag mit den Mit­schü­lern die Schu­le bestreikt.
Gre­ta, die jetzt 18 Jah­re alt ist und gera­de die High-School abschließt, redet heu­te mit uns von ihrem Zuhau­se in Schwe­den aus.
Ich hof­fe, Sie genie­ßen unser Gespräch und wir sehen uns gleich wieder.

(Musik)

Gior­da­no: Will­kom­men beim Juice Media Pod­cast, Gre­ta! Es ist uns eine Ehre, dich heu­te hier bei uns zu haben.

Gre­ta: Dan­ke, es ist mir eine Ehre, hier zu sein! Ich bin wirk­lich ein gro­ßer Fan von The Juice Media, also ist es wirk­lich aufregend.

Gior­da­no: Hör’ mal, du bist mir zuvor­ge­kom­men. Ich woll­te gera­de das Glei­che sagen: wir sind gro­ße Fans von dir! Und ich woll­te das gleich zu Beginn los­wer­den, damit wir mit der Wis­sen­schaft wei­ter­ma­chen kön­nen, aber ich dan­ke dir eben­falls für alles, was du tust, wirklich.

Gre­ta: Gleichfalls.

Gior­da­no: Ich weiß, dass du viel zu tun hast, damit unse­ren füh­ren­den Poli­ti­kern in den Hin­tern zu tre­ten und dei­ne gan­ze Arbeit für die Schu­le zu machen. Daher dan­ke für die Zeit die du dir nimmst, um hier zu sein.
Zunächst ein­mal: wie geht es dir?

Gre­ta: Mir geht‘s gut. Es ist jetzt Sams­tag, ich habe zwar nicht frei, aber wenigs­tens ist kein Schul­tag. Also kann ich jetzt ver­su­chen, ande­re Din­ge nach­zu­ho­len. Es ist heu­te ziem­lich kalt, aber es ist schön. Also geht es mir gut.
Mal abge­se­hen von allem, was sich im Moment auf der COP so abspielt. Dort sind alle gera­de dabei, die Ent­wür­fe fer­tig­zu­stel­len und das ist auch sehr inter­es­sant zu ver­fol­gen. Um es vor­sich­tig auszudrücken.

Rückblick auf die COP26

Gior­da­no: Ja, klar, also sehr gut, mal abge­se­hen davon, dass unse­re füh­ren­den Poli­ti­ker dabei sind, uns alle umzu­brin­gen, ist alles groß­ar­tig, jen­seits des­sen.
Lass uns über die COP spre­chen.
Du bist gera­de von die­sem Kli­ma­gip­fel zurück­ge­kehrt, der gera­de zu Ende geht, wäh­rend wir uns hier unter­hal­ten. Ich den­ke, heu­te ist der letz­te Tag. Wie ist dein Rück­blick auf die COP26?
Und übri­gens nur eine Erin­ne­rung, dass du hier so viel flu­chen darfst, wie du willst. Wir rufen in die­ser Pod­cast-Rei­he in gewis­ser Wei­se sogar dazu auf.

Gre­ta: Gut. Nun, ich bin jetzt schon vor fast einer Woche nach Hau­se gekom­men.
Ich war nur die ers­te Woche dort und so konn­te ich sozu­sa­gen alles ver­ar­bei­ten und mich von dem gan­zen Cha­os dort drü­ben etwas erho­len.
Ich den­ke, es ist abhän­gig davon, wer man ist. Wenn man fragt, wie die COP war, bekommt man sehr, sehr unter­schied­li­che Ant­wor­ten. Von eini­gen Leu­ten, wel­che Angst haben die Men­schen zu ent­täu­schen, hört man, dass es Fort­schrit­te gibt und wir lang­sam gewin­nen. Aber wir müs­sen uns ver­ge­gen­wär­ti­gen, dass, wenn es um die Kli­ma­kri­se geht, lang­sam zu gewin­nen gleich­be­deu­tend damit ist, zu ver­lie­ren. Wir kön­nen die Kli­ma­kri­se nicht mit Fort­schrit­ten lösen.
Wenn ich mich mit Leu­ten unter­hal­te, die noch vor Ort sind, erhal­te ich ganz ande­re Ant­wor­ten. Dass es eine kom­plet­te Kata­stro­phe ist und dass nie­mand bereit ist, irgend­et­was zu tun.
Hin­ter dem Vor­hang ist es nur ein Kampf von denen, die ver­su­chen, neue Schlupf­lö­cher zu schaf­fen, die blo­ckie­ren und von den Län­dern des glo­ba­len Nor­dens, die sich immer noch wei­gern, auch nur die mini­mals­ten Kli­ma­maß­nah­men zu ergrei­fen, die not­wen­dig wären.

Gior­da­no: Hast du schon einen Blick auf den Ent­wurfstext gewor­fen, der her­aus­ge­kom­men ist? Hat­test du schon Gele­gen­heit, ihn zu lesen?

Gre­ta: Ich habe es ver­sucht, ja. Nicht den gan­zen Text, aber ich habe Tei­le davon gele­sen, aber ich wer­de ver­su­chen, ihn so schnell wie mög­lich zu lesen, also den gesam­ten Text.

Gior­da­no: Es ist schwer, dar­über genau jetzt zu reden, denn das alles pas­siert ja gera­de noch.

Gre­ta: Ja, und das Gan­ze wird sich noch eini­ge Male ändern.

Gior­da­no: Ja. Eines der guten Din­ge, die sich dar­aus erge­ben, wenn wir mal auf das Posi­ti­ve dar­an schau­en wol­len, ist die­se Ver­ein­ba­rung, dass die Län­der jetzt jähr­lich prü­fen und ihre natio­na­len Emis­si­ons­re­duk­ti­ons­zie­le neu defi­nie­ren müs­sen, im Gegen­satz zu dem Fünf­jah­res-Tur­nus, der in Paris fest­ge­legt wurde.

Ist das etwas, wor­über du froh bist, dass es ein­ge­tre­ten ist?

Gre­ta: Ich mei­ne, natür­lich ist es bes­ser als nichts, nur die­ser Teil. Aber wenn man sich das Gan­ze anschaut und wenn man es mit dem ver­gleicht, was jetzt not­wen­dig wäre, dann ist es immer noch ein kom­plet­tes Ver­sa­gen und wir kön­nen nicht glau­ben, dass wir die Kli­ma­kri­se mit klei­nen Schrit­ten wie die­sen lösen kön­nen und blo­ße Ver­spre­chen, dass sie ihre Ambi­tio­nen ver­bes­sern wer­den, wer­den zu nichts füh­ren, wenn sie dem nicht Taten fol­gen las­sen und sie die­se Ambi­tio­nen und die Ver­pflich­tun­gen, die sie ankün­di­gen, tat­säch­lich erfüllen …

Greta über Ehrlichkeit

Gior­da­no: Ja, das ist so ein Gre­ta-Ding: Du sagst immer: „Ja, Wor­te, Wor­te, Wor­te, aber was ist mit den Taten?“ Und du bist so gut dar­in, es immer auf die­sen Punkt zurück zu bringen.

Lass uns über Ehr­lich­keit reden: Als ein Jour­na­list dich im Vor­feld der Kon­fe­renz frag­te, wie Erfolg für dich aus­se­hen wür­de, sag­test du und ich zitie­re dich jetzt: “Sowas wie Erfolg wäre für mich, dass die Staats- und Regie­rungs­chefs der Welt ehr­lich zuge­ben, dass sie bei der Bewäl­ti­gung der Kli­ma­kri­se versagen.”

In einem Arti­kel hast du geschrie­ben, dass es immer noch Hoff­nung gibt, aber Hoff­nung beginnt immer mit Ehr­lich­keit. Es ist eine so ein­fa­che, aber auch kraft­vol­le Bot­schaft.
Kannst du uns erklä­ren, war­um du Ehr­lich­keit als den ers­ten Schritt für wirk­li­che Taten bei der Bewäl­ti­gung der Kli­ma­kri­se ansiehst?

Gre­ta: Wir reden immer über Lösun­gen für die Kli­ma­kri­se, wie wir sie lösen wer­den, wel­che Schrit­te wir geschafft haben. Aber wie kön­nen wir über­haupt über eine Kri­se dis­ku­tie­ren, die wir igno­rie­ren, jeden­falls der größ­te Teil von uns.
Eine kürz­lich durch­ge­führ­te Unter­su­chung in Schwe­den zeig­te, dass weni­ger als ein Drit­tel unse­rer Gesamt­emis­sio­nen tat­säch­lich in unse­ren Kli­ma­zie­len betrach­tet wird. Und wie kön­nen wir ver­su­chen, die Kri­se zu lösen, wenn wir zwei Drit­tel davon igno­rie­ren?
Es ist so, als wür­den sie sagen: „Wie wol­len wir das lösen?“ und wir sagen: „Wie wäre es, wenn wir alles zusam­men­rech­nen und uns ehr­lich machen, wo wir tat­säch­lich ste­hen, weil wir nicht in der Lage sein wer­den, eine Kri­se zu lösen, die wir nicht ver­ste­hen?“ Und wenn wir das sagen, ver­steht uns nie­mand und dann sagen sie: „Ja, aber was genau sol­len wir tun?” Und wir wie­der­ho­len: “Wie wäre es, wenn wir alles zusam­men­rech­nen und uns klar machen, wo wir eigent­lich ste­hen, um zu ver­ste­hen, mit wel­cher Situa­ti­on wir kon­fron­tiert sind, um sie dann tat­säch­lich zu bekämp­fen?“ Und immer noch ver­steht uns nie­mand. Und das ist sozu­sa­gen der Schlüs­sel. Wir wis­sen, dass die Kli­ma­kri­se nicht mit die­sen COPs gelöst wer­den wird und wenn über­haupt, dann hat die­se COP bewie­sen, dass egal, wie vie­le Akti­vis­ten es gibt und wie groß der Druck ist, den Akti­vis­ten von außen auf die füh­ren­den Poli­ti­ker der Welt aus­üben, sie wer­den sich nicht ändern. Solan­ge sie es kön­nen, wer­den sie so wei­ter­ma­chen und aus­schließ­lich ver­su­chen, Schlupf­lö­cher in den Sys­te­men und Rah­men­be­din­gun­gen zu schaffen.

Es ist, als ob ihr Haupt­ziel der­zeit nicht ist, die Kli­ma­kri­se zu lösen und wirk­lich Wege nach vor­ne zu fin­den. Ihr Haupt­ziel ist, immer mehr Aus­re­den zu fin­den und kei­ne Maß­nah­men zu ergreifen.

Gior­da­no: Dei­ne Bot­schaft über Ehr­lich­keit war die Inspi­ra­ti­on unse­res Honest Government Ad über „Net­to-Null bis 2050“, zu wel­chem die­ser Pod­cast hier als Beglei­ter dient.
Als ich dich sagen hör­te, dass du dir von den Regie­run­gen mehr Ehr­lich­keit wünschst, mit ihrem Ver­sa­gen mit dem Kli­ma­not­stand umzu­ge­hen, da däm­mer­te es mir plötz­lich: „Hey, ich schrei­be die­se Serie mit dem Titel «Honest Government Ad». Viel­leicht kann ich hier Gre­ta hel­fen und mehr Men­schen hel­fen zu ver­ste­hen, was sie meint?”
Also warst du die wirk­li­che Inspi­ra­ti­on für die­ses Video. Du hast die­ses Video geteilt und Leu­te ermu­tigt, es anzu­schau­en. Denkst du, die­ses Video hilft die Lage, in der wir sind, zu erklä­ren? Und du darfst ehr­lich sein. Ich weiß, dass du ein Fan von Ehr­lich­keit bist.

Gre­ta: Ja, das tut es wirk­lich! Die­se Din­ge sind ent­schei­dend, sowohl um die Situa­ti­on ver­ste­hen, aber auch das Ver­ständ­nis zu ent­wi­ckeln, Druck auf die Leu­te aus­zu­üben, die an der Macht sind. Und die­ses Video war wirk­lich eines der bes­ten Din­ge, die ich je gese­hen habe.
Es hat sogar Klas­sen­ka­me­ra­den, die nor­ma­ler­wei­se nie mit mir über die­se Din­ge reden, dazu gebracht zu sagen: „Oh ich habe die­ses Video gese­hen, das war wirk­lich groß­ar­tig!“ So war es, es hat wirk­lich viel vom übli­chen Grund­rau­schen durchbrochen.

Gior­da­no: Das ist groß­ar­tig und natür­lich ist einer der Grün­de, dass es so ein durch­schla­gen­der Erfolg war, dass du einen Cameo-Auf­tritt dar­in hat­test, der alle umge­hau­en hat, weil du ein­fach wie aus dem Nichts auf­ge­taucht bist mit: „Hey ich bin Gre­ta“, und du hast die „auto­ri­siert durch“-Botschaft am Ende gespro­chen.
Also vie­len Dank, dass du dar­an teil­ge­nom­men hast.
Ich neh­me an, dass du die Vide­os schon gese­hen hast, es sei denn, du sagst ein­fach ja zu zufäl­li­gen Cameo-Anfragen.

Gre­ta: Ja!

Gior­da­no: Wann bist du auf «Honest Government Ads» gesto­ßen, ist das eine neue Sache oder…?

Gre­ta: Ja, ich mei­ne, ihr seid eine ziem­lich gro­ße Sache in der Kli­ma-Akti­ven-Bewe­gung.
Wir schau­en uns die­se Fol­gen immer an, wenn es eine neue gibt.
Wir haben zum Bei­spiel Tele­gram-Kanä­le mit Leu­ten, die wir ken­nen und wir tei­len sie immer dort. Also, es ist eine Sache, die wir uns wirk­lich ger­ne anschau­en, weil es so ehr­lich ist und es ist wirk­lich urkomisch.

Gior­da­no: Groß­ar­tig, das wer­de ich gleich mal in unse­re Bio­gra­fie auf unse­rer Web­sei­te auf­neh­men.
Okay, jetzt las­sen wir uns mal über die­se Ehr­lich­keit spre­chen.
Ich möch­te dir eine Fra­ge stel­len.
Du ver­bringst offen­sicht­lich sehr viel Zeit damit, über die Kli­ma­kri­se nach­zu­den­ken und dar­über, wie wir das Pro­blem, dem wir ent­ge­gen­se­hen, defi­nie­ren kön­nen und ich fra­ge mich, ob sich dei­ne Ansich­ten im Lau­fe der Jah­re geän­dert haben?
Im Jahr 2019, als du auf dem UN-Kli­ma­gip­fel gespro­chen hast, hast du eine his­to­ri­sche Rede gehalten:

Gre­ta (Mit­schnitt vom UN-Kli­ma­gip­fel 2019): „Wenn Sie die Situa­ti­on wirk­lich ver­stan­den hät­ten und wei­ter dar­in ver­sa­gen wür­den zu han­deln, dann wären Sie böse. Und das wei­ge­re ich mich zu glauben.”

Gior­da­no: Jetzt spu­len wir zwei Jah­re nach vor­ne: Du bist in den Stra­ßen von Glas­gow vor Tau­sen­den von Men­schen und Du sagst zu der Menge:

Gre­ta (Mit­schnitt einer Rede in Glas­gow): „Vie­le fan­gen an sich zu fra­gen, was noch nötig ist, damit die Men­schen an der Macht auf­wa­chen. Aber lasst uns Klar­text reden: Sie sind bereits wach und sie wis­sen ganz genau, was sie tun!“

Gior­da­no: Also, hast du dei­ne Mei­nung geän­dert, seit du die Rede 2019 gehal­ten hast? Und wenn ja: was hat dich dazu veranlasst?

Gre­ta:  Ich den­ke ein Stück weit. Aber bei der Rede, die ich 2019 gehal­ten hat­te, woll­te ich denen gegen­über auch naiv schei­nen, damit sie wirk­lich in sich gehen und sich des­sen bewusst wer­den, was sie tun.
Denn ich sage ja nicht, dass sie böse sind. Ich sage: wenn man die­se Din­ge tut, bedeu­tet dies, dass man böse ist. Was dazu führt, dass sie selbst die­se Schluss­fol­ge­rung zie­hen müs­sen.
Natür­lich hat­te ich schon damals mei­ne Ver­mu­tun­gen, dass sie wuss­ten, was sie taten. Aber nach­dem ich mich jah­re­lang stän­dig mit Men­schen getrof­fen hat­te, mit ihnen gespro­chen hat­te, ahn­te oder wuss­te ich wirk­lich, sie wis­sen, was die Kon­se­quen­zen ihres Han­delns sind.
Auch des­halb, weil sie die­se Zeit genau­so genutzt haben, um mit Men­schen zu spre­chen, um zu ver­ste­hen, was sie tun und was die Fol­gen ihrer Taten sind.

Gior­da­no: Weißt du, in Inter­views – und ich habe vie­le dei­ner Inter­views gese­hen – fra­gen dich Leu­te so oft, was du über dies oder jenes denkst, so wie ich das hier gera­de auch tue und du reagierst dann oft damit, die Auf­merk­sam­keit von dir selbst weg zu len­ken und alle dar­an zu erin­nern, dass sie dar­auf hören sol­len, was die Kli­ma­wis­sen­schaft­ler zu sagen haben: „Hört auf die Wis­sen­schaft!“
Wenn das pas­siert, dann fra­ge ich mich, ob du manch­mal schrei­en willst. Fühlt es sich so an, als wenn die Welt ver­rückt gewor­den wäre, wenn Jour­na­lis­ten und Pro­mi­nen­te einen Teen­ager fra­gen, was er oder sie über die exis­ten­zi­el­le Not­la­ge denkt, die alles Leben auf dem Pla­ne­ten bedroht, anstatt Kli­ma­wis­sen­schaft­ler zu befragen?

Gre­ta: Ich den­ke, dass es sehr, sehr absurd ist, dass die­se Fra­ge einem Teen­ager gestellt wird. Auch vie­len ande­ren Teen­agern wur­de die glei­che Fra­ge gestellt.
Wir tun dies, weil wir nicht alle Ant­wor­ten haben, abge­se­hen davon, dass wir die Kri­se wie eine Kri­se behan­deln und die Zah­len ehr­lich zäh­len soll­ten.
Ich mei­ne, wir wei­sen auf Lösun­gen hin, aber wir kön­nen nicht erwar­ten, dass Teen­ager die­se Fra­gen beant­wor­ten kön­nen.
Schon die Tat­sa­che, dass die­se Fra­ge uns über­haupt gestellt wird, ist absurd. Aber nicht so absurd wie die Tat­sa­che, dass die­se Fra­ge über­haupt irgend­je­man­dem gestellt wird: „Wie sol­len wir die­se Kri­se lösen?”
Wenn es eine Ant­wort auf die­se Fra­ge gäbe, wären wir nicht in die­sem Schla­mas­sel.
Wenn wir eine exis­ten­zi­el­le Not­la­ge ein­fach so lösen könn­ten, dann wäre es kei­ne Kri­se, son­dern nur ein Pro­blem. Also den­ke ich, dass dies auf so vie­len Ebe­nen absurd ist.

Gior­da­no: Weißt du, du hast die­se Rol­le über­nom­men, die Stim­men der Kli­ma­wis­sen­schaft­ler zu ver­stär­ken. Und du hast sie wirk­lich kraft­voll und effek­tiv ver­stärkt. Und um das zu tun, musst du dich auch mit der Wis­sen­schaft aus­ein­an­der­set­zen. Könn­test du eini­ge dei­ner Haupt­quel­len nen­nen, um die Kli­ma­wis­sen­schaft bes­ser zu ver­ste­hen?
Irgend­wel­che Emp­feh­lun­gen für ande­re, die das The­ma bes­ser ver­ste­hen wollen?

Gre­ta: Das hängt davon ab. Es ist wie ein Kanin­chen­bau. Ich wür­de mir wün­schen, es gäbe eine ein­zi­ge Quel­le, wo man alles nach­le­sen könn­te. Aber du musst dir die Infor­ma­tio­nen selbst zusam­men­su­chen.
Ich den­ke, wir bräuch­ten wirk­lich eine Web­site oder ein Buch oder einen Film oder eine Quel­le, wo man alle Din­ge fin­den kann, die man braucht, um die Gesamt­si­tua­ti­on zu ver­ste­hen.
Aber ich ver­las­se mich nor­ma­ler­wei­se auf die soli­des­ten wis­sen­schaft­li­chen Quel­len wie das IPCC, denn obwohl des­sen State­ments manch­mal sehr mode­rat aus­fal­len, ist es immer noch der gol­de­ne Stan­dard.
Außer­dem spre­che ich mit Wis­sen­schaft­lern, ich fol­ge vie­len Wis­sen­schaft­lern in den sozia­len Medi­en, um zu sehen, was sie sagen, wie sie ver­schie­de­ne Phä­no­me­ne und Ankün­di­gun­gen kom­men­tie­ren und so wei­ter.
Aber die Infor­ma­tio­nen sind sehr breit ver­teilt, was einer­seits gut ist, weil man sei­ne Infor­ma­tio­nen aus ver­schie­de­nen Quel­len erhält, ande­rer­seits aber auch etwas Zeit erfor­dert, um die­se Quel­len zu fin­den und zu prü­fen, ob sie glaub­wür­dig sind oder nicht und so weiter.

Gior­da­no: Klar, also sich breit ein­le­sen.
Wo wir gera­de beim The­ma Kli­ma­wis­sen­schaft­ler sind: Ich fra­ge mich oft, war­um wir bei Kli­ma­de­mos nicht die Tra­di­ti­on haben, immer mit einem Kli­ma­wis­sen­schaft­ler als ers­ten Red­ner zu begin­nen oder zumin­dest einen Kli­ma­wis­sen­schaft­ler zu Wort kom­men zu las­sen. Das ist eine Stim­me, die oft fehlt. Und ich den­ke, die Arbeit, die du machst und sicher­lich auch das, was wir mit «Honest Government Ads» ver­su­chen, ist, die Kli­ma­kom­pe­tenz der Men­schen zu ver­bes­sern, damit sie ver­ste­hen, was es bedeu­tet, wenn sie Wor­te wie Koh­len­stoff­ab­schei­dung und ‑spei­che­rung oder Net­to-Null bis 2050 hören.
In die­sem Sin­ne leis­ten wir ähn­li­che Arbeit in die­ser Hin­sicht, aber letzt­lich ver­wei­sen wir immer wie­der auf die Wis­sen­schaft.
Wie du weißt, sind wir in Aus­tra­li­en zu Hau­se, und unse­re Regie­rung ist einer der größ­ten Mist­hau­fen, wenn es dar­um geht, fos­si­le Brenn­stof­fe aus­zu­bau­en und Ton­nen von sinn­lo­sem bla, bla, bla auszustoßen.

Gre­ta: Ja!

Gior­da­no: Ver­folgst Du, was hier in Aus­tra­li­en kli­ma­tech­nisch pas­siert und wenn ja, was hast du den Aus­tra­li­ern zu sagen, beson­ders den jun­gen Aus­tra­li­ern, von denen du vie­le immens inspi­riert hast, selbst Kli­ma­ak­ti­vis­ten zu werden.

Gre­ta: Natür­lich ver­fol­ge ich die Situa­ti­on an so vie­len Orten wie mög­lich und ich habe auch aus­tra­li­sche Freun­de in der Kli­ma­be­we­gung, die mir Geschich­ten erzäh­len, die ich manch­mal kaum glau­ben kann.

Gior­da­no: Da geht es uns auch nicht anders.

Gre­ta: Ja wirk­lich, wenn es nicht so schreck­lich wäre, wäre es urko­misch. aber ich den­ke, man muss auch in der Lage sein, dar­über zu lachen, solan­ge man alles dage­gen tut, was man kann, und man muss in der Lage sein, den Humor dar­in zu sehe.

Gior­da­no: Abso­lut, und du sag­test, du hast Freun­de hier in Aus­tra­li­en, sind das auch jun­ge Kli­ma­ak­ti­vis­ten in der Klimabewegung?

Gre­ta: Ja!

Gior­da­no: Das ist groß­ar­tig, fan­tas­tisch! Willst Du jeman­dem Hal­lo sagen?

Gre­ta: Ja, hal­lo Louis!

Aktivismus ist ein gesunder Weg, um Klimaangst zu reduzieren

Gior­da­no: Groß­ar­tig, okay, nun zu einer etwas weni­ger lus­ti­gen Fra­ge. Vie­le Kin­der im Alter mei­ner Kin­der, das ist das Alter, in dem du dir selbst der Kli­ma­kri­se bewusst wur­dest, was dich in eine tie­fe Depres­si­on stürz­te, vie­le Kin­der haben jetzt Angst vor der Kli­ma­kri­se. Hast du irgend­et­was für sie, wenn sie zufäl­lig zuhö­ren? Ich mei­ne, hast du ihnen etwas zu sagen? Oder ihren Eltern? Wie kön­nen Eltern auf Kin­der reagie­ren, die so reagieren?

Gre­ta: Ich habe das auch erlebt, also weiß ich in etwa, wie sich das anfühlt.
Ich den­ke, was mich da raus­ge­holt hat, war, dass die Leu­te um mich her­um ange­fan­gen haben, mir zuzu­hö­ren, was ich zu sagen hat­te, und mei­nen Sor­gen zu lau­schen.
Für eine lan­ge Zeit fühl­te es sich ein­fach so an, als ob jeder es ein­fach igno­rie­ren wür­de. Sie sag­ten: „mach’ dir kei­ne Sor­gen, sie wer­den das lösen, sie küm­mern sich dar­um“.
Das hat mich nur noch mehr beun­ru­higt, weil es bedeu­te­te, dass sie nicht ver­stan­den haben, dass die Men­schen an der Macht uns im Stich lie­ßen und dass die Leu­te so wenig Wis­sen über die Pro­ble­me hat­ten, mit denen wir kon­fron­tiert waren.
Also den­ke ich, wenn Du ein Eltern­teil bist: „Hör Dei­nem Kind zu, wenn es dar­über spricht!”
„Nimm Dei­ne Kin­der ernst, wenn sie dar­über spre­chen, denn das hier ist nicht nur etwas, das wir uns aus­den­ken! Kein Hirn­ge­spinst, nicht etwas, das Kin­der über­trei­ben, son­dern das ist der wis­sen­schaft­li­che Kon­sens, der uns sagt, dass dies pas­siert. Und wenn Du die Kin­der igno­rierst, dann bist Du selbst eine der Ursa­chen für die Sor­gen Dei­nes Kin­des, lei­der.”
Also wäre das mein Rat!

Und wenn du dich selbst so fühlst:  Was mir gehol­fen hat, war, dass die Leu­te um mich her­um mir zuge­hört haben. Aber auch, dass ich ange­fan­gen habe, Din­ge zu tun.
Es fing mit ganz klei­nen Din­gen an, wie z.B., das Licht aus­zu­schal­ten, wenn ich nicht im Zim­mer war und den Fleisch­kon­sum zu redu­zie­ren und so wei­ter. Und dann wur­de es mehr und mehr, und dann wur­de ich eine Kli­ma­ak­ti­vis­tin.
Selbst han­deln ist immer die bes­te Medi­zin gegen die­se Art von Din­gen, das blo­ße Gefühl etwas zu tun, dass du ein Teil von etwas Grö­ße­rem bist und dass das, was du tust, tat­säch­lich einen Ein­fluss hat.

Gior­da­no: Das sind wirk­lich wich­ti­ge Wor­te, und ich muss sagen, das ist auch tat­säch­lich der Grund, war­um wir tun, was wir tun. Ich mei­ne, es ist zum Teil um zu hel­fen, die Pro­ble­me zu lösen, aber es ist fast genau­so sehr, um uns selbst bei Ver­stand zu hal­ten. Ein­fach um etwas zu tun, denn wenn man nichts macht, dann… Nein, wie du sag­test, es ist die Medizin.

Hoffnung ist in uns allen

Gior­da­no: Zu einem ähn­li­chen The­ma: Ich woll­te dich zu den unter­schied­li­chen Stra­te­gien fra­gen, mit der Kli­ma­kri­se umzu­ge­hen.
Bevor du auf­ge­taucht bist, war die akzep­tier­te Stra­te­gie des Kli­ma-Akti­vis­mus, sich auf die Hoff­nung zu kon­zen­trie­ren und nicht zu pes­si­mis­tisch zu sein. Und die Leu­te sag­ten, sei nicht zu nega­tiv, weil Stu­di­en gezeigt haben, dass die­se Art von Nach­rich­ten die Leu­te abschre­cken kann.
Ich per­sön­lich habe das nie ver­stan­den, nicht ein­mal als Teen­ager. Für mich ist es viel beru­hi­gen­der, mit Rea­li­tät umzu­ge­hen und sie wahr­zu­neh­men, wie sie ist, denn dann wür­den wir sicher­lich ver­su­chen etwas dar­an zu ändern.
Aber dann kamst du daher und hast die­se Men­ta­li­tät ver­än­dert, indem du gezeigt hast, dass Wahr­heit und Ehr­lich­keit die Men­schen nicht abschre­cken, son­dern statt­des­sen Mil­lio­nen auf die Stra­ße brin­gen. Und es ist ein­neh­mend und inspi­rie­rend.
War­um glaubst du, dass die­se Bot­schaft der Ehr­lich­keit über die Rea­li­tät, mit der wir kon­fron­tiert sind, so viel Anklang fin­det bei Men­schen über­all auf der Erde?

Gre­ta: Ich weiß nicht… jeder sagt, wir brau­chen Hoff­nung und alle sagen immer wie­der, wir brau­chen Hoff­nung, wir brau­chen Hoff­nung um zu han­deln. Aber ich den­ke, dass wir Hoff­nung neu defi­nie­ren müs­sen. Und wie Du sagst: ich schöp­fe kei­ne Hoff­nung dar­aus, wenn man mir sagt, dass alles gut wird, dass wir auf dem rich­ti­gen Weg sind, dass wir Fort­schrit­te machen, wenn das tat­säch­lich so nicht stimmt.
Ich fin­de, Hoff­nung ist, ehr­lich zu sein, Hoff­nung ist, zu han­deln und sich der Rea­li­tät zu stel­len, so wie sie ist, auch wenn es manch­mal sehr unan­ge­nehm und furcht­ein­flö­ßend ist.
Der ein­zi­ge Weg vor­wärts, mit der Situa­ti­on umzu­ge­hen, ist, sie zu ver­ste­hen, ehr­lich dar­über zu sein und uns ihr stel­len, wie sie ist. Denn nur dann wer­den wir in der Lage sein etwas dar­an zu ändern

Gior­da­no: Aber die Tat­sa­che, dass es so viel Anklang gefun­den hat, zeigt das dir, dass vie­le Men­schen eben­so emp­fin­den? Dass man auf so eine Art Zünd­fun­ken gewar­tet hat und die Leu­te dann plötz­lich sagen: „Oh, dan­ke ver­dammt, jetzt kön­nen wir wirk­lich ehr­lich dar­über reden“.

Gre­ta: Ja, das den­ke ich oder hof­fe es zumindest.

Gior­da­no: Das wird eines Tages von Anthro­po­lo­gen zu ent­schei­den sein.

Gre­ta: Ja, aber ich den­ke, wenn es so ist, dass ein Kind mit­ten auf der Stra­ße steht und Autos mit vol­ler Geschwin­dig­keit auf das Kind zura­sen, dann schaut man nicht weg, weil es zu unan­ge­nehm ist, son­dern dann rennt man hin und ret­tet das Kind. Ich den­ke, das ist die Art von Her­aus­for­de­rung, vor der wir jetzt ste­hen.
Natür­lich möch­te man am liebs­ten abseits ste­hen und zuse­hen, weil das beque­mer ist, aber wie Men­schen sind…, wenn es einen Not­fall gibt, dann kön­nen wir reagie­ren. Wir kön­nen eine Not­fall­re­ak­ti­on zei­gen.
Schau’ Dir an, wie wir mit der Coro­na-Pan­de­mie umge­gan­gen sind.
Ich mei­ne, wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie haben wir ja auch nicht gesagt: „Oh nein, das ist uns zu unbe­quem“. Wir haben uns zusam­men­ge­ris­sen und gehan­delt.
Das, was uns zum Han­deln ver­an­lasst hat, war nicht die Tat­sa­che, dass wir uns gegen­sei­tig inspi­riert haben und gesagt haben, oh, es ist so gemüt­lich, drin­nen zu blei­ben und kei­ne Leu­te zu tref­fen, oder hoff­nungs­vol­le Geschich­ten über Leu­te, die das Coro­na­vi­rus hat­ten und über­lebt haben, son­dern, was uns zum Han­deln ver­an­lasst hat, war eher die Tat­sa­che, dass wir han­deln muss­ten.
Es war eine Art Angst davor, was pas­sie­ren wür­de, wenn wir nicht reagie­ren wür­den, weil wir dann per­sön­lich betrof­fen wären, sei es, dass wir selbst getrof­fen wor­den wären, unse­ren Job ver­lie­ren wür­den oder dass jemand, den wir lie­ben, krank wer­den oder sogar ster­ben wür­de.
Ich mei­ne, die­se Ängs­te waren sehr berech­tigt, sie brach­ten uns zum Han­deln.
Und ich den­ke, das zeigt, dass es nicht nur inspi­rie­ren­de Reden sein kön­nen, die uns wäh­rend der Kli­ma­kri­se zum Han­deln brin­gen. Son­dern wir müs­sen auch reagie­ren, müs­sen erken­nen, was pas­sie­ren wird, wenn wir nichts tun.

Über Demokratie, Gerechtigkeit und indigene Kulturen

Gior­da­no: Neben der Ehr­lich­keit, einer der Haupt­bot­schaf­ten, über die Du gespro­chen hast und auf die Du dich fokus­sierst, ist es die Demo­kra­tie. In einem Inter­view sag­test Du kürz­lich, Demo­kra­tie sei die ein­zi­ge Lösung für die Kli­ma­kri­se.
Kannst Du ein wenig über Demo­kra­tie spre­chen und war­um Du sie eng mit prak­ti­zier­tem Kli­ma­schutz ver­knüpft siehst?

Gre­ta: Ja, ich mei­ne, wir kön­nen sehen, was uns dazu gebracht hat, uns zu bewe­gen – auch wenn es bei wei­tem nicht genug ist – wir haben doch Fort­schrit­te gemacht, ver­gli­chen mit vor ein paar Jah­ren. Und das ist erreicht wor­den, weil es gro­ße Demons­tra­tio­nen gege­ben hat.
Die Men­schen machen Druck, sie benut­zen ihre Macht als demo­kra­ti­sche Gesell­schaft mit dem Ziel, Poli­ti­ker anzu­trei­ben. Und wenn wir das nicht gemacht hät­ten, dann wüss­te ich nicht, wo wir jetzt wären. Also das zeigt, dass dies der ein­zi­ge Weg vor­wärts ist.
Wir wis­sen, dass, solan­ge die Leu­te an der Macht damit durch­kom­men, nichts zu tun, sie wei­ter­hin das machen wer­den, was sie immer schon gemacht haben: die Infra­struk­tur für fos­si­le Brenn­stof­fe aus­bau­en, die fos­si­len Brenn­stof­fe wei­ter sub­ven­tio­nie­ren und so wei­ter.
Aber wenn wir unse­re Macht, die wir in Demo­kra­tien haben, nut­zen und wirk­lich auf Ver­än­de­run­gen drän­gen, dann kann sich das ändern. Denn in demo­kra­ti­schen Gesell­schaf­ten haben die Men­schen die Macht und das fin­de ich extrem hoff­nungs­voll. Wenn wir die­se Mög­lich­keit nicht hät­ten, die­se Chan­ce, ich weiß nicht, was wir machen wür­den. Ich weiß nicht, wo wir dann wären.
Und wir sehen, dass in Län­dern, in denen die Men­schen die­se Rech­te nicht haben, wie zum Bei­spiel in Chi­na, Akti­vis­ten mit vie­len Schwie­rig­kei­ten kon­fron­tiert sind. Und sie haben nicht die­se gro­ßen Bewe­gun­gen, die in die rich­ti­ge Rich­tung drän­gen kön­nen. Also ist das wirk­lich der ein­zi­ge Weg nach vor­ne. Und es scheint, dass eini­ge Leu­te das gegen die Kli­ma­ak­ti­vis­ten ver­wen­den. Sie sagen, dass wir kei­ne Demo­kra­tie wol­len, dass wir eine Art Öko-Dik­ta­tur wol­len, was nicht fal­scher sein könn­te. Aber das liegt dar­an, dass sie kei­ne Argu­men­te mehr haben. Also erfin­den sie ein­fach Din­ge über uns, obwohl das das genaue Gegen­teil von dem ist, was wir sagen.

Gior­da­no: Es gibt unglaub­lich vie­le Din­ge, die über dich erfun­den wur­den. Ich möch­te das nicht noch ver­stär­ken, also wer­den wir das nicht ver­tie­fen. Aber es ist verrückt.

Eine ande­re Sache, über die du oft gespro­chen hast, ist Gerech­tig­keit, wenn du über die Kli­ma­kri­se sprichst. Du hast das Kon­zept der Gerech­tig­keit erwähnt und ich habe mich gefragt, ob du den Zuhö­rern erklä­ren könn­test, was du mit Gerech­tig­keit im Zusam­men­hang mit Kli­ma­schutz-Akti­vi­tä­ten meinst.

Gre­ta: Wir müs­sen uns vor Augen hal­ten, dass die Kli­ma­kri­se eine sich beschleu­ni­gen­de Kri­se ist. Koh­len­stof­fe, die wir in die Atmo­sphä­re emit­tie­ren, blei­ben sehr, sehr lan­ge dort oben. Daher geht es in der Kli­ma­kri­se nicht nur dar­um, was wir jetzt oder in Zukunft aus­sto­ßen, damit wir eine Chan­ce von 66 % haben, unge­fähr unter 1,5 Grad Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung zu blei­ben. Etwa 90 % die­ses CO₂-Bud­gets sind bereits auf­ge­braucht. Das bedeu­tet, dass his­to­ri­sche Emis­sio­nen fast 90 % der Kli­ma­kri­se aus­ma­chen; also neun Zehn­tel. Und wir kön­nen die­se Tat­sa­che doch nicht ein­fach igno­rie­ren. Wir dür­fen doch nicht igno­rie­ren, dass wir uns mit­ten in der Kli­ma­kri­se befin­den. Die­se begann, als wir anfin­gen, ande­re Men­schen aus­zu­beu­ten und das Land und die Res­sour­cen ande­rer Men­schen zu steh­len. Und die Kli­ma­kri­se exis­tiert nicht nur in einem Vaku­um. Daher müs­sen Gerech­tig­keit und Kli­ma­ge­rech­tig­keit im Mit­tel­punkt jeder Lösung ste­hen.
Denn wenn wir die ver­blei­ben­den CO₂ ‑Bud­gets ver­tei­len wol­len, müs­sen wir dies so tun, dass Staa­ten, die mehr emit­tiert haben, unwei­ger­lich einen klei­ne­ren Teil die­ses ver­blei­ben­den CO₂ ‑Bud­gets bekom­men dür­fen. Und Staa­ten, die weni­ger emit­tiert haben und von den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels am här­tes­ten getrof­fen wer­den, wer­den einen sehr gro­ßen Teil die­ses CO₂-Bud­gets brau­chen, um sich sowohl an die Kli­ma­kri­se anzu­pas­sen als auch den Lebens­stan­dard durch den Auf­bau von Infra­struk­tu­ren, die wir im soge­nann­ten glo­ba­len Nor­den schon gebaut haben, indem wir zu einem gro­ßen Teil fos­si­le Brenn­stof­fe ver­brannt haben.

Inso­fern ist unser CO₂-Bud­get­an­teil schon berück­sich­tigt. Doch eini­ge Staa­ten müs­sen das noch in Zukunft machen. Natür­lich müs­sen wir sicher­stel­len, dass die­se Staa­ten es auf die rich­ti­ge Art und Wei­se tun kön­nen, auf nach­hal­ti­ge Wei­se. Aber es muss trotz­dem getan wer­den. Die­se Staa­ten müs­sen in der Lage sein, ihren Lebens­stan­dard zu erhö­hen. Denn wer bin ich, den Leu­ten in den am meis­ten betrof­fe­nen Gebie­ten vor­zu­schrei­ben, dass sie ihren Lebens­stan­dard nicht erhö­hen kön­nen, sie nicht so leben kön­nen wie ich, weil wir eine Kli­ma­kri­se haben, die mein Teil der Welt ver­ur­sacht hat und die sie so betrifft.

Und natür­lich die gro­ße Fra­ge von Kli­ma­fi­nan­zie­rung, Ver­lus­ten und Schä­den. Dafür wur­de eine Zah­lung von jähr­li­chen 100 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ver­spro­chen an die Län­der, die am stärks­ten betrof­fen sind und die­je­ni­gen, die am wenigs­ten ver­ur­sacht haben. Aber die­ses Geld ist immer noch nicht geflos­sen und das ist ein gro­ßes The­ma wäh­rend der COP, was gut ist. Es braucht mehr Raum, da bin ich sicher. Ich kann jetzt nicht alle Aspek­te nen­nen, aber Kli­ma­ge­rech­tig­keit ist das Herz­stück des Pari­ser Abkom­mens und das ist auch ein wich­ti­ger Grund, war­um die COP-Eini­gung gera­de in Gefahr ist.

Denn wenn Län­der wie mein Schwe­den oder dein Aus­tra­li­en, wenn wir die­se Din­ge nicht ein­mal tun kön­nen; wir, die die größ­ten, die bes­ten Mög­lich­kei­ten dazu haben: wie kön­nen wir erwar­ten, dass die Men­schen und Län­der in den am stärks­ten betrof­fe­nen Gebie­ten uns ernst neh­men und ihre Ver­pflich­tun­gen aus dem Pari­ser Abkom­men erfül­len?
Also gibt es hier wirk­lich eine gro­ße Lücke. Und es zeigt schlicht, wenn wir den Aspekt der Gerech­tig­keit igno­rie­ren, wer­den Men­schen wütend. Vor allem die­je­ni­gen, die schon heu­te betrof­fen sind, wer­den wütend und dann ist alles in Gefahr. Ja, alles ist in Gefahr, das zeigt ein­fach die Bedeu­tung der Zusammenarbeit.

Gior­da­no: Abso­lut! Ich mei­ne, es macht alles so kom­pli­ziert, aber gleich­zei­tig ist das der rich­ti­ge Weg, es anzu­ge­hen. Du hast den Kolo­nia­lis­mus erwähnt, wäh­rend du dar­über gespro­chen hast, und ich habe bemerkt, dass du oft gehol­fen hast, die Stim­men der indi­ge­nen Völ­ker in dei­nem Akti­vis­mus zu ver­stär­ken, als du in Nord­ame­ri­ka warst. Du hast Stan­ding Rock besucht und ich habe mich gefragt, ob du ein wenig dar­über spre­chen könn­test, wie du gelernt hast.

Gre­ta: Ich den­ke, das war etwas, das ich unter­wegs gelernt habe, weil dar­über nicht gespro­chen wird, weil es in den Main­stream-Medi­en nicht the­ma­ti­siert wird oder die Leu­te nicht wirk­lich auf einer all­ge­mei­nen Ebe­ne dar­über dis­ku­tie­ren.
Nach­dem ich also mit vie­len Men­schen gespro­chen habe als Teil der Kli­ma­be­we­gung, wur­de mir klar, wie wich­tig es ist, dass die indi­ge­ne Bevöl­ke­rung eine Stim­me hat. Das zeigt, wie sehr wir es ver­säumt haben zu kom­mu­ni­zie­ren, dass die indi­ge­nen Völ­ker an vor­ders­ter Front des Kli­ma­not­stands ste­hen. Dass sie die­je­ni­gen sind, die schon jetzt am här­tes­ten und als ers­te betrof­fen sind, und dass zum Bei­spiel Pipe­lines auf indi­ge­nem Land gebaut wer­den.
Aber auch, dass sie die Kämp­fe gegen den Kli­ma­not­stand anfüh­ren. Nur als Bei­spiel: Die indi­ge­nen Völ­ker im Ama­zo­nas, die den Regen­wald ver­tei­di­gen. Doch auch in jedem ande­ren Teil der Welt ver­tei­di­gen indi­ge­ne Völ­ker ihr Land. Nicht nur um ihrer selbst wil­len, son­dern um jeder­manns wil­len, um des gan­zen Pla­ne­ten wil­len!
Und es wird nicht kom­mu­ni­ziert, dass indi­ge­ne Völ­ker die­je­ni­gen sind, die den Kampf gegen das Kli­ma anfüh­ren. Aber auch, wenn wir Lösun­gen für die Kli­ma­kri­se fin­den, die indi­ge­ne Völ­ker nicht mit ein­be­zie­hen, wenn wir indi­ge­nes Wis­sen nicht mit ein­be­zie­hen, dann ist das nicht wirk­lich eine Lösung. Denn indi­ge­ne Völ­ker bewah­ren etwa 80% der ver­blei­ben­den Arten­viel­falt. Also zeigt das, dass indi­ge­nes Wis­sen ent­schei­dend ist, um den Pla­ne­ten zu bewah­ren und die gegen­wär­ti­gen und zukünf­ti­gen Lebens­be­din­gun­gen zu schützen.

Gior­da­no: Gre­ta, du bist bei wei­tem eine der bekann­tes­ten Kli­ma­schüt­ze­rin­nen der Welt, aber es gibt auch ande­re jun­ge Kli­ma­ak­ti­vis­ten auf der gan­zen Welt, auf allen Kon­ti­nen­ten. Gibt es eini­ge, die du beson­ders für die Arbeit, die ihr macht, erwäh­nen möch­test, eini­ge, die dich beson­ders inspirieren?

Gre­ta: Natür­lich, aber ich wür­de ger­ne jeden ein­zel­nen erwäh­nen. Es fühlt sich so an, als ob ich, wenn ich eini­ge erwäh­nen wür­de, nicht alle erwäh­nen würde …

Gior­da­no: Ja, das ist eine unfai­re Fra­ge, tut mir leid …

Gre­ta: Ja, aber es ist so: die Gemein­schaft, die wir haben, ist so stark und es gibt so vie­le Men­schen, die aner­kannt wer­den müs­sen, so vie­le Men­schen, deren Stim­men gestärkt wer­den müs­sen, so vie­le Men­schen, die eine viel grö­ße­re Platt­form brau­chen, weil sie so viel wich­ti­ge Din­ge zu sagen haben. Vor allem Men­schen aus den am stärks­ten betrof­fe­nen Gebie­ten, soge­nann­te MAPA: am stärks­ten betrof­fe­ne Men­schen in Gebie­ten der indi­ge­nen Völ­ker, über die wir gespro­chen haben, weil sie die­je­ni­gen sind, die wirk­lich ein Mikro­fon brau­chen. Und ich den­ke, es ist Zeit für die Akti­vis­ten, in den am wenigs­ten betrof­fe­nen Gebie­ten LAPA (Least Affec­ted Peop­le in Are­as), das Mikro­fon zu über­ge­ben an die am meis­ten betrof­fe­nen Men­schen in den Gebie­ten MAPA (Most Affec­ted Peop­le in Areas).

Gior­da­no: Habt ihr alle so etwas wie eine Signal-Chat-Grup­pe, in der ihr zusam­men kom­mu­ni­ziert, seid ihr in Kon­takt und habt ihr eine Art Gemein­schaft, zu der ihr gehört?

Gre­ta: Ja, defi­ni­tiv, wir haben täg­lich Kon­tak­te durch vie­le Chats, vie­le Arbeits­grup­pen-Chats, aber auch vie­le Spam-Chats, in denen wir buch­stäb­lich Unsinn schrei­ben, was wich­tig ist, um gesund zu blei­ben, schät­ze ich.

Gior­da­no:  Ja, das ist groß­ar­tig!
Ich wer­de dich gehen las­sen, weil ich weiß, dass du noch zu tun hast, und ich woll­te dich nur noch nach dem Gerichts­ver­fah­ren fra­gen. Du und 13 ande­re jun­ge Leu­te aus der gan­zen Welt rei­chen eine Kla­ge bei der UNO ein, um dar­auf zu drän­gen, einen Not­fall der Stu­fe drei zu erklä­ren. Stu­fe drei ist die höchs­te Stu­fe des Not­falls, die die UNO für die Covid Pan­de­mie aus­ge­ru­fen hat. Kannst du ein wenig über die­sen Fall spre­chen und was er für dich bedeutet?

Gre­ta: Zunächst ein­mal sind es vor allem ande­re Leu­te, die dar­auf gedrängt haben, und ich bin nur eine von vie­len. Aber es ist eine Art, die Auf­merk­sam­keit auf die Tat­sa­che zu len­ken, dass dies tat­säch­lich ein Not­fall ist. Und wenn wir es nicht als Not­fall behan­deln, wer­den wir nicht in der Lage sein, etwas zu errei­chen. Also ist es wich­tig, die Auf­merk­sam­keit auf die­se Tat­sa­che zu len­ken und auch auf die Heu­che­lei. Dass wir sagen, es ist ein Not­fall, aber wir han­deln nicht danach.

Gior­da­no: Gre­ta, nur aus Neu­gier, gibt es eine Fra­ge, die du dir wünschst, in Inter­views gefragt zu wer­den, die dir aber nie gestellt wird?

Gre­ta: Ich weiß nicht. Okay, ich bin sicher, es gibt viele.

Gior­da­no: Aber gibt es etwas, von dem du sagst, war­um fragst du mich nicht danach und nie­mand fragt danach?

Gre­ta: Nein, ich weiß nicht, ich bin sicher, es gibt vie­le, aber mir fällt jetzt nichts ein.

Gior­da­no: Du wirst wahr­schein­lich alles gefragt.
Gre­ta, ich dan­ke dir viel­mals dafür, dass du bei uns im Juice Media Pod­cast mit­machst. Ich weiß, du hast eine Men­ge zu tun zwi­schen „In-den-Hin­tern-Tre­ten“ und all dei­ner schu­li­schen Arbeit neben­bei. Du bist jetzt im letz­ten Schul­jahr, ist das korrekt?

Gre­ta: Nein, ich bele­ge das zwei­te Jahr der High-School, ich habe noch ein wei­te­res Jahr danach.

Gior­da­no: Okay, ich hab’s ver­stan­den und …

Gre­ta: Ich hab’ noch etwas Zeit zu ent­schei­den, was ich danach machen will.

Gior­da­no: Nun, hast du dar­über nach­ge­dacht oder ist da noch etwas?

Gre­ta: Also, ja, ja, aber ich weiß es jetzt nicht. Ich bin gera­de nicht ori­en­tiert. (lacht)

Gior­da­no: Was völ­lig nor­mal klingt, den­ke ich. Uns allen ging es schon mal so. Also, genie­ße die­ses Gefühl.
Noch ein­mal, Gre­ta, dan­ke für alles, was du tust, im Namen von mir und unse­rem Team, Lucie, unse­ren Schau­spie­le­rin­nen Zoë und Ellen und unse­ren zwei klei­nen Jungs Juno und Luca, für die du so viel tust. Alle unse­re Unter­stüt­zer: innen möch­ten dir sagen: Dan­ke, wir lie­ben dich! Dan­ke, dass du dafür sorgst, dass sich Poli­ti­ker fair und offen ver­hal­ten. Wir ste­hen voll und ganz hin­ter dir.

Gre­ta: Dan­ke! Dan­ke dafür, dass ich dabei sein durf­te. Und ich möch­te auch Grü­ße von allen in der Kli­ma­be­we­gung schi­cken, vor allem von der Elch­kult-Initia­ti­ve in Schweden.

Gior­da­no: Also vie­len Dank, Gre­ta, du auch!

[Applaus]

Nun, das bringt uns zum Ende die­ser Fol­ge des Juice Media Pod­casts.
Ich hof­fe, es hat euch gefal­len, Gre­ta spre­chen zu hören. Es ist selt­sam, aber ich bin mir sicher, eini­ge von euch spü­ren es auch: es ist, als ob wir uns schon immer gekannt hät­ten. Viel­leicht, weil sie eine sol­che Prä­senz und Inspi­ra­ti­on in unse­rem Leben in den letz­ten drei Jah­ren gewe­sen ist. Sicher­lich für uns hier bei The Juice Media und sicher auch für vie­le von euch und defi­ni­tiv für eure Kin­der im Teenageralter.

Wie ich am Anfang sag­te, habe ich die­se «Honest Government Ad» geschrie­ben, um Gre­tas Auf­ruf an Regie­run­gen zu unter­stüt­zen, hin­sicht­lich der Kli­ma­kri­se ehr­lich zu sein.
Aber ich habe es auch gemacht, weil ich ver­mu­tet habe, dass die Staats- und Regie­rungs­chefs ihrer For­de­rung nicht nach­kom­men wer­den. Und so woll­te ich auf einer per­sön­li­chen Ebe­ne ein­fach etwas tun, um sie glück­lich zu machen.
Ich weiß, dass das albern ist: schließ­lich ist es nur ein blö­des Video. Aber ich den­ke auch, dass es eine gewis­se Kraft hat, die Welt vor­weg­zu­neh­men, die wir sehen wol­len. Denn wenn wir den Men­schen hel­fen kön­nen, sich vor­zu­stel­len, wie Ehr­lich­keit aus­sieht, kön­nen wir ihnen hel­fen, den Unter­schied zwi­schen die­sen Din­gen und dem Bla, Bla, Bla, wie Gre­ta es nennt, zu erkennen.

Dan­ke an Ellen, die mir gehol­fen hat, den Juice Media Pod­cast zu bear­bei­ten. Und wie immer dan­ke an unse­re Unter­stüt­zer: innen, die den Pod­cast und «The Honest Government Ads» mög­lich machen, vor allem an unse­re Patre­on Pro­du­cer, die uns über unse­re höchs­te Stu­fe von AUD 100 pro Monat unter­stüt­zen. Danke!

Wenn du unse­re Arbeit schätzt, unter­stüt­ze uns bit­te auf Patre­on.
Und wenn euch der Pod­cast gefal­len hat, gebt uns bit­te eine net­te Bewer­tung auf iTu­nes und emp­fehlt ihn euren Freun­den, eurer Fami­lie und euren Haus­tie­ren, damit wir das Wort ver­brei­ten können.

Ihr habt den Juice Media Pod­cast mit Gior­da­no gehört.
Wir sehen uns sehr bald in unse­rem nächs­ten «Honest Government Ad». Bis dahin: passt auf euch auf!